Abenteuerfilm

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Als Abenteuerfilm wird ein Filmgenre bezeichnet, das sich durch ereignisreiche Handlungsstränge auszeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Definition[Bearbeiten]

Beim Abenteuerfilms handelt es sich um ein sehr offenes Genre, was eine eindeutige Definition schwierig macht. Im Regelfall verbindet er das Grundmuster Heldenreise zusammen mit exotischen Schauplätzen. Die Figur des Helden wird häufig von einer gefährlichen Situation zur nächsten getrieben.[1] Der Protogonist kämpft häufig gegen das Böse oder versucht die Liebe einer Frau zu gewinnen. Meistens kehrt der Held am Ende seiner Geschichte triumphal und gestärkt nach Hause zurück.

Für die Produktion von Abenteuergeschichten stehen häufig alte Sagen, Mythen, Geschichten der Bibel oder Legenden im Mittelpunkt. Auch die Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts wie Beispielsweise Zorro oder die Romane von Walter Scott, Daniel Defoe oder Alexandre Dumas oder Jules Verne. Romanfiguren wie etwa Robin Hood oder Die drei Musketiere beeinflussten den Typus des Abenteuerfilmhelden als positiv besetzten, energiegeladenen Swashbuckler („Säbelrassler“), der sich über gesellschaftliche Konventionen hinwegsetzen kann, letztlich aber einem von noblen Idealen geprägten Ehrenkodex unterliegt.

Geschichte des Abenteuerfilms[Bearbeiten]

Einige Filmhistoriker behaupten, dass sich der Abenteuerfilm erst in den 1980er Jahren offiziell entwickelt hat und die früheren Filme die mit Abenteuerelemente enthielten als Leitfaden für den Abenteuerfilm dienten.[2] Der Abenteuerfilm hat tiefe Wurzeln in der Filmgeschichte bereits im Jahr 1899 gab es mit L'affaire Dreyfus von Georges Méliès einen der ersten Vorläufer des Abenteuer- bzw. Gerichtsfilms.[3] Dieser inspirierte den Regisseure James Williamson dazu den Film Attack on a China Mission zu drehen, der als einer der Urväter des Action-, Abenteuer- und Wildwestfilms gilt.[4] Bereits 1911 gab es mit dem italienischen Film Die Irrfahrten des Odysseus einen ersten längeren Spielfilme des Abenteuer- und Sandalenfilms. Das erste bedeutende Abenteuer-Serial war The Adventures of Kathlyn aus dem Jahr 1913, deren Episoden mit einem Cliffhanger endeten.[5] In Deutschland waren Harry Piel Filmen wie Der weiße Schrecken (1917) oder Fritz Lang mit Die Spinnen (1919) und Das indische Grabmal (1921) Pioniere des Abenteuerfilms. Auch Leni Riefenstahl entwickelte mit dem Abenteuerfilm mit dem Bergfilmen Die weiße Hölle vom Piz Palü und Stürme über dem Mont Blanc weiter.

In den 1920er Jahren spielte Douglas Fairbanks zahlreiche Heldenfiguren wie D’Artagnan oder Zorro. Auch Tarzan hatte 1918 mit Tarzan bei den Affen seinen ersten Auftritt. Neben Filmen wie Treasure Island oder Ben Hur gab es zahlreiche Produktionen des Genres während der 1920er Jahre. Im Tonfilm besetzte Errol Flynn in Filmen wie Robin Hood, König der Vagabunden diesen Rollentypus. Weitere Abenteuerhelden des Films waren unter anderem Tyrone Power (Der Seeräuber, 1943), Burt Lancaster (Der rote Korsar, 1952) und Stewart Granger (Scaramouche, der galante Marquis, 1952). Abenteuerfilme profitierten von der Einführung des Farbfilms, denn durch die Farbigkeit von Dekor, Ausstattung und Kostüm erhöhte sich deren Wertigkeit als Trägerelemente der Exotik und Phantasie. 1948 suchte Humphrey Bogart nach Der Schatz der Sierra Madre und der Antiheld löst durch seine Abenteuerlust eine Katastrophe aus. Der Bogart-Film Arican Queen gehört zu den bedeutenden Abenteuerfilmen der 1950er Jahre.

Im Französischen Kino wurde während der 1960er Jahren häufig auf den Mantel-und-Degen-Film gesetzt. Filme wie Fanfan, der Husar (1952) oder Cartouche, der Bandit (1961) sind hierfür klassische Beispiele. In den 1964 erreichte der Abenteuerfilm mit den Abenteuervierteilern auch das Fernsehen und prominente Filmreihen wie Die Schatzinsel oder Der Seewolf entstanden.

Das Genre erlebte in den 1980er Jahren eine Neugeburt. Nachdem George Lucas mit Krieg der Sterne (1977) erfolgreich einen Abenteuerfilm im Science-Fiction-Genre verortete, mischte Steven Spielberg in den Indiana-Jones-Filmen die nostalgischen Elemente des klassischen Abenteuerfilms mit Versatzstücken des modernen Actionfilms.

Subgenres[Bearbeiten]

Aus der Abenteuerlust entstanden zahlreiche Subgenres:

Bekannte Filme (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Burckhardt Heer: Der Abenteuerfilm. Eine Untersuchung. Bundesarbeitsgemeinschaft für Jugendfilmarbeit und Medienerziehung, Aachen 1981, ISBN 3-89017-000-5.
  • Hans-Joachim Neumann: Abenteuer & Action in Literatur, Film und Comic. Ullstein, Frankfurt/Main 1987, ISBN 3-548-36542-6.
  • Georg Seeßlen: Abenteuer. Geschichte und Mythologie des Abenteuerfilms. Schüren, Marburg 1996, ISBN 3-89472-424-2. (Erweiterte Neuauflage: Filmwissen: Abenteuer. Grundlagen des populären Films. 2011, ISBN 978-3-89472-704-8)
  • Bodo Traber, Hans J. Wulff (Hrsg.): Filmgenres: Abenteuerfilm. Reclam Universal-Bibliothek, Stuttgart 2004, (Reihe: Filmgenres, Bd. 4), ISBN 3-15-018404-5.
  • Andrea Rennschmid: Totenkopf und weisse Segel – Lexikon des klassischen Piratenfilms. Hardcover, Reinhard Weber Fachverlag für Filmliteratur, Landshut 2005, ISBN 3-9809390-0-6.
  • Aleta-A. von Holzen: „A Pirates' Life For Me!“ Von „The Black Pirate“ bis „Pirates of the Caribbean“ – Abenteuerkonzepte im Piratenfilm. SSI, Zürich 2007, ISBN 978-3-9521172-4-8.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Film-Lexikon: Abenteuerfilm
  2. Film-Fokus
  3. Barnes, John (1992), Filming the Boer War, London: Bishopgate Press, ISBN 1852190469
  4. Georges Sadoul: Geschichte der Filmkunst, Wien 1957, S. S. 46 f.
  5. Stedman, Raymond William (1971). "1. Drama by Instalment". Serials: Suspense and Drama By Installment. University of Oklahoma Press. pp. 6–9. ISBN 978-0-8061-0927-5.