Backwoods-Film

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Der Backwoods-Film (deutsch: Hinterwälder/Hinterste-Provinz-Film) ist ein Filmgenre, wird jedoch auch oft als ein Subgenre des Horrorfilms gesehen.

Zu ihm gehören eine Reihe teilweise sehr unterschiedlicher Filme, deren gemeinsames Merkmal es nach dem Literatur- und Medienwissenschaftler Udo Franke-Penski ist, dass eine Gruppe städtischer Durchschnittsmenschen (meist Teenager) in einer Wildnis vom Weg abkommen und „aus der Zivilisation in die Hölle einer archaischen Vergangenheit treten, in der es kein Gesetz, keine Ordnung und keinen Schutz gibt, nur Gewalt, Grauen und das Recht des Stärkeren. Will man diese Hölle überleben, muss man bis zum Finale […] den zivilisierten Anteil seiner Persönlichkeit verdrängen und zu den Mitteln der Monster greifen – Gewalt und Gnadenlosigkeit.“[1] Es muss sich, wie Weston Ochse schon im Hinblick auf literarische Vorlagen betonte, nicht um eine spezielle Lokalität handeln, sondern lediglich um einen isolierten, also völlig abgeschiedenen Ort.[2] So konnte zum Beispiel der Film Urban Explorer (2011, Regie: Andy Fetscher) zum Backwoods-Horror gezählt werden, obwohl die Handlung nicht in einem Wald, sondern in den Tunneln und Bunkersystemen unter Berlin stattfindet.[3]

Zumindest als Subgenre des Horrorfilms fand der Backwoods-Film seine Begründung 1974 durch den Film The Texas Chainsaw Massacre (1974, Regie: Tobe Hooper),[4] auch wenn beispielsweise Calum Waddell in dem Film Spider Baby (1964, Regie: Jack Hill)) einen frühen Vorläufer sieht.[5] Rücklickend werden auch frühere Filme wie Two Thousand Maniacs! (1964, Regie: Herschell G. Lewis) und Deliverence (1972, Regie: John Boorman) in dieses Genre eingeordnet. Nach dem Erfolg von Hoopers Chainsaw Massacre erschienen bis heute zahlreiche Genrevertreter, deren aktuellste Beispiele Filme wie Wrong Turn (2003, Regie Rob Schmidt) oder The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen (2006, Regie: Alexandre Aja) darstellen. Die explizite Gewaltdarstellung in diesen neueren Filmen birgt dabei Übergänge zum sog. „Torture Porn“. Auch in Europa finden sich seither vermehrt Backwoods-Filme wie Eden Lake (2008, Regie James Watkins), Frontiers(s) (2007, Regie: Xavier Gens), Manhunt Backwoods Massacre (2008, Regie: Patrik Syversen) oder Backwoods – Die Jagd beginnt (2006, Regie: Koldo Serra). Die Motive und die Ikonografie des Genres sind dem Publikum inzwischen so vertraut, dass im Jahre 2010 mit Tucker and Dale vs Evil (2010, Regie: Eli Craig) eine erfolgreiche Persiflage („a backwoods comedy“) auf das Genre erscheinen konnte.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Udo Franke-Penski: Kettensägen, Lust und Toleranz – Zur Konsumierbarkeit von Horrorfiktionen, in: Benjamin Moldenhauer/ Christoph Spehr/ Jörg Windszus (Hrsg.): On Rules and Monsters – Essays zu Horror, Film und Gesellschaft, Hamburg 2008, S.29f
  2. Weston Ochse: Freaks and Fiddles, Banjos and Beasts - Writing redneck Horror, in: Mort Castle (Hrsg.): On Writing Horror - A Handbook by the Horror Writers of America, Georgetown 2007, S.179
  3. Peter Osteried: Im Westen nichts Neues, auf: gamona.de (21. Oktober 2011)
  4. Udo Franke-Penski: Kettensägen, Lust und Toleranz – Zur Konsumierbarkeit von Horrorfiktionen, in: Benjamin Moldenhauer/ Christoph Spehr/ Jörg Windszus (Hrsg.): On Rules and Monsters – Essays zu Horror, Film und Gesellschaft, Hamburg 2008, S.29
  5. Calum Waddell: Jack Hill - The Exploitation and Blaxploitation Master Film by Film, Jefferson 2009, S.18–20
  6. Tim Anderson: Another Look at 'Tucker and Dale vs Evil', auf: bloody-disgusting.com (23. März 2010)

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