Betty Boop

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Zeichnung von Betty Boop (Public Domain)

Betty Boop ist eine US-amerikanische Cartoon-Figur, die von Max Fleischer und Grim Natwick erfunden wurde.[1][2][3][4] Nach der Insolvenz der Fleischer-Studios wurden die Cartoonreihe von den Paramount Studios übernommen und weiterproduziert. Der Bettys Nachname spielt auf den englischen Begriff für Busen an und steht für das Sexappeal der Figur.

Charakter[Bearbeiten]

Betty Boops Charakter gilt als Parodie und Anspielung auf die Flappers, die in den 1920er Jahren aufkamen. Als Flappers bezeichnete die US-amerikanische Öffentlichkeit junge Frauen, kurze Röcke und kurz geschnittenes Haar trugen, Jazz hörten und sich über die Regeln des guten Benehmens selbstbewusst hinwegsetzten. Die Flappers galten zu ihrer Zeit als keck und frech, da sie sich schminkten, hochprozentigen Alkohol tranken und rauchten.

1934 beschrieb das amerikanische Gericht Betty Boop äußerliches Erscheinungsbild in dem Fall Fleischer vs. Kane mit folgenden Worten:

„...combin[ing] in appearance the childish with the sophisticated — a large round baby face with big eyes and a nose like a button, framed in a somewhat careful coiffure, with a very small body of which perhaps the leading characteristic is the most self-confident little bust imaginable".[5]

Betty Boop unterscheidet sich von anderen Cartoonfiguren dadurch, indem sie sich an ein erwachsenes Pubilikum richtet und sowohl mit Drogen, als auch mit Sex keine großen Probleme hatte. In den Cartoons trat sie meistens als Sängerin, Parodistin oder erotische Tänzerin auf. Erst durch die Einführung der Hay Codes wurde aus Betty Boops ursprünglich sexuell orientierter Figur die eines Hausmütterchens, die sich um ihr Kind und um ihren Hund kümmerte. Sie zeichnet sich durch ein großes Herz aus, ist allerdings sehr naiv. Sehr populär wurde ihr Booping-Ton.

Entwicklungen[Bearbeiten]

Erfunden wurde die Figur Betty Boop von Max Fleischer und Grim Natwick für den Cartoon Dizzy Dishes aus Talkartoons-Reihe, der am 9. August 1930 veröffentlicht wurde. Dort sollte sie als Pudeldame durch die ersten Cartoons hüpfen und eine Parodie auf Helen Kane werden; später wurde die Figur mehr als Parodie auf Clara Bow bezeichnet.[6][7] In den ersten Cartoons wurde Betty von ihrem Freund Bimbo unterstützt, ein sehr bekanntes Beispiel ist der Cartoon Minnie the Moocher aus dem Jahr 1932.

Betty-Boop-Fanartikel

Der Cartoon Any Rags (1931) wurde für Betty Boop ein Wendepunkt, da diese nun in eine menschliche Figur mit großen Ohrringen umgewandelt wurde.[8]

Synchronisiert wurde Betty Boop in den ersten Cartoons von Margie Hines. Später folgten folgende Synchronsprecherinnen Kate Wright, Bonnie Poe, Little Ann Little, Tress MacNeille, Sandy Fox und Cindy Robinson. Ihre populärste Synchronsprecherin wurde allerdings Mae Questel, die Betty Boop erstmals in dem Cartoon Bimbo's Silly Scandals (1931) bis zu ihrem Gastauftritt als Zigarettenverkäuferin in Falsches Spiel mit Roger Rabbit (1988) synchronisierte.

Im Mai 1932 kam es um Betty Boops Figur zu einem Gerichtsprozess zwischen Max Fleischer und Helen Kane über eine Summe von 250.000 US-$. In dem Prozess, der unter dem Namen Fleischer vs. Kane bekannt wurde, ging es um die (angebliche) Verunglimpfung von Helen Kane. Fleischer behauptete während des Prozesses, Betty Boop sei eine Erfindung ohne menschliche Grundlage bzw. Vorbild.[9][10] Kane brachte Bettys Gesangsstil als Kopie des ihrigen hervor, der als Baby-Stil bezeichnet wurde. Der Prozess jedoch ergab, dass dieser Gesangstil nicht von Helen Kane entwickelt wurde. Stattdessen wurde dieser gerichtlicherseits der Nachtclubsängerin Baby Esther zugeschrieben.[11]

Bettys Veränderung zwischen den Jahren 1933 und 1939

In dem Carton Popeye the Sailor (1933) hatte Betty nur einen Gastauftritt als erotische Hula-Tänzerin, die Popeye für einen Moment von seiner Olive Oyl ablenkte. Mit diesem Cartoon begann die Karriere des berühmten Seemannes, der Cartoon selbst wurde als Betty-Boop-Cartoon vermarktet.[12]

Für einige Betty Boop Cartoons wurde die Figur Koko der Clown wieder in den Mittelpunkt gestellt, die zuvor für viele Jahre auf ihren nächsten Auftritt wartete. So wurde er beispielsweise für den Cartoon Ha! Ha! Ha! von Betty unter Lachgas gesetzt.

1934 erhielt Betty ihren ersten farbigen Cartoon mit Poor Cinderella, unter den Fleischer Studios sollten keine weiteren Farbcartoons folgen. Die Einführung der Hays Codes sorgte dafür, dass sich ihr Charakter völlig änderte, während sie zuvor die Männer um den Finger wickelte, wurde sie nun zu einer treuen Freundin, die sich nur noch um ihren neuen Freund Fearless Fred kümmerte. Erstmals trat dieser in dem Cartoon She Wronged Him Right auf. Es folgten zahlreiche Cartoons in denen Betty Boop immer mehr zum Hausmütterchen wurde und mit langen Kleidern und züchtig auftrat. Das Interesse an ihrer Figur nahm dadurch immer ab. 1939 wurde ihr letzter Cartoon mit Yip Yip Yippy veröffentlicht.

Ihre Cartoons wurden schließlich im Fernsehen ausgestrahlt. 1985 erhielt sie mit The Romance of Betty Boop ihr erstes Fernsehspecial. 1988 durfte sie wie bereits erwähnt in dem Film Falsches Spiel mit Roger Rabbit einen Kurzauftritt absolvieren. 1989 erhielt sie mit The Betty Boop Movie Mystery ihren letzten Fernsehfilm. Seitdem wird Betty Boop nur noch als Werbfigur verwendet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Fleischer: Out of the inkwell: Max Fleischer and the animation revolution. University Press of Kentucky, 2005, ISBN 978-0-8131-2355-4: „he, Max Fleischer, was the sole creator ... acknowledged that many animators contributed ... not just Natwick, but also Seymour Kneitel, Myron Waldman, ...“
  2. Hugh Kenner, Chuck Jones Chuck Jones: a flurry of drawings. University of California Press, 1994, ISBN 978-0-520-08797-2: „with the Max Fleischer people, ... creating Betty Boop“
  3. Craig Yoe: Clean Cartoonists' Dirty Drawings. Last Gasp, 2007, ISBN 978-0-86719-653-5: „great contribution ... Betty Boop, created for the Fleischer Studios.“
  4. Stephen Worth: Exhibit: Grim Natwick In New York. In: ASIFA-Hollywood Animation Archive. ASIFA-Hollywood. 3 November 2007. Abgerufen am 1 July 2009.
  5. Fleischer Studios v. Ralph A. Freundlich, Inc., 5 F. Supp. 808, 809 (S.D.N.Y. 1934). Abgerufen am 20 February 2014.
  6. "Will Betty Boop Be A Big Hit as 'It?'" Chicago Tribune (March 20, 1985)
  7. "Grim Natwick in New York – Part One: The Early Years", an exhibit of the ASIFA-Hollywood Animation Archive, a 501(c)3 museum and archive. (November 3, 2007) Quote: "One day, Dave Fleischer handed Grim a photograph of singer, Helen Kane and asked him to design a caricature. Fleischer had found a sound-alike, and planned to use her in the upcoming Talkartoon, "Dizzy Dishes". Grim exaggerated Kane’s wide eyes and rosebud mouth, creating a slightly coarse, but strikingly original design. A few weeks later, Dave asked Grim to design a girlfriend for Bimbo to star as the "fair young maiden" in a cartoon adaptation of the popular song, 'Barnacle Bill the Sailor'. Grim streamlined and refined his caricature of Kane for the part. But Dave Fleischer objected, insisting that since Bimbo was a dog, his girlfriend should also be a dog. Grim quickly sketched Betty Boop’s head on a four-legged canine body. He held up the drawing next to the pretty girl design, and asked, 'Which would you rather have as your girlfriend? A girl? Or a dog?' Dave laughed and agreed that the pretty girl was the right choice."
  8. Pointer, Ray (2016). "The Art and Inventions of Max Fleischer: American Animation Pioneer", McFarland & Co. Publishers. Pg. 116
  9. The Salt Lake Tribune, April 19, 1934
  10. The Paris News, April 19, 1934
  11. The Mansfield News, May 5, 1934
  12. Der Cartoon Popeye the Sailor