Das Bohrloch oder Bayern ist nicht in Texas

Aus Film-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
OriginaltitelDas Bohrloch oder Bayern ist nicht Texas
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch/Bairisch
Erscheinungsjahr1966
Länge80 Minuten
Stab
RegieRainer Erler
DrehbuchRainer Erler
MusikEugen Thomass
KameraWerner Kurz
Besetzung

Das Bohrloch oder Bayern ist nicht Texas ist eine deutsche Filmsatire des Jahres 1965, die unter der Regie von Rainer Erler im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks entstand. Zur Erstausstrahlung des Schwarzweißfilms am 19. April 1966 beim Deutschen Fernsehen rief er teilweise Empörung hervor, insbesondere beim Bayerischen Rundfunk.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

Handlung[Bearbeiten]

 
Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Weildorf diente dem Film als Kulisse für die Pfarrskirche

Der Moritatensänger Zenz erzählt dem Zuschauer die Geschichte eines kleinen fiktiven bayrischen Dorfes namens Unterdeixelham. Hier sollen Probebohrungen nach Erdöl durchgeführt werden, doch der örtliche Pfarrer Koschorke hält eine Versammlung gegen diese Probebohrungen ab, bei denen er den Besuchern Aufnahmen von texanischen Raffinerien und Bohrtürmen zeigt. Hierbei formuliert er folgenden Leitspruch:

„Bayern ist nicht in Texas.“

Mit diesem Leitspruch überzeugt 96 Bewohner des Dorfes davon eine Petition gegen die Probebohrung zu unterschreiben. Der Gemeinderat und der Bürgermeister des Dorfes überlegen sich schließlich wie sie aus der Situation Profit ziehen können und entscheiden sich dafür den Bürgermeister zur Recherche nach München zu senden. Dort besucht er zwar eine Raffinerie, allerdings sitzt die Verwaltung der Raffinierie in Hamburg. Diese Reise ist dem Bürgermeister zu weit und er entdeckt zufällig einen Zeitungsartikel in dem über einen Ölscheich berichtet wird. Die möglichen Gewinne verleiten auch den Pfarrer dazu die Bohrungen zu unterstützen. Gemeinsam bringen sie den Großbauern Alois Pratzenhofer dazu die Probebohrungen durchführen zu lassen. Da sich die möglich Quelle auf dessen Grund befindet kommt es natürlich zu Streit zwischen dem Bürgermeister und dem Großbauern.

Nach mehreren Monaten in denen Probebohrungen durchgeführt wurden und vom bayerischen Landtag entschieden wurde, dass die Ölquelle dem Land gehört, findet man nur schwefelhaltiges Wasser auf dem Grundstück. Das ist für Alois Pratzenhofer eine gewaltige Schmach, da er auch an Herzstörungen leidet wird er regelmäßig von Dr. Gerstl untersucht, der für ihn das Wasser analysieren lässt. Hierbei kommt heraus, dass es sich um eine schwefelhaltige Heilquelle handelt.

Kurze Zeit eröffnet Alois Pratzenhofer mit der Hilfe eines Weihbischofes feierlich den Aloysius-Brunnen und ein Badehaus. Die Bewohner des Dorfes wandeln den Ort in ein Tourismusziel um und versuchen den Titel eines Kurortes zu erwerben. Hierfür verwandelt sich das Bauerndorf innerhalb von kürzester Zeit in ein Urlausparadies mit Kurgarten. Hierfür erhalten sie nach Prüfung einer Delegation den Titel Bad Unterdeixelham. Trotz Werbung läuft der Kurbetrieb nur schleppend an. Währenddessen versucht der Knecht Schorsch mit Leni der Tochter von Alois anzubandeln, was dem Großbauern nicht gefällt, obwohl Schorsch ihn bei mehreren Dingen unterstützt hat.

Der Kurbetrieb nimmt so richtig Fahrt auf und Alois denkt daran den Kurbetrieb zu erweitern und stellt einen Bauantrag für die Erstellung eines modernen Privatsanatoriums und eines neuen Kurhauses. Was vom Gemeinderat mit Streit abgelehnt wird. Nach zahlreichen Prozessen gelingt es Alois Pratzenhofer das Sanatorium zu bauen, allerdings leidet sein Herz unter diesem Streß und er muss selbst eine Kur durchführen. Als er sich wieder einmal mit dem Gemeinderat streitet, kommt Leni selbst auf die Idee das Bad zu nutzen. Heirbei versiegt die Quelle und Alois Pratzenhofer versucht die Quelle mit normalen Wasser und etwas Schwefelgehalt wieder zu aktivieren. Hierbei erleidet er einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er verstirbt. Der Pfarrer findet für ihn wenig gute und schöne Worte sondern schimpft über dessen Gier nach dem Geschäft. Die Bauern müssen wieder als Bauern arbeiten.

Hintergrundinformationen[Bearbeiten]

Produziert wurde der Film nicht vom Bayerischer Rundfunk, sondern vom Westdeutschen Rundfunk über die Bavaria Film. Die Dreharbeiten fanden 1965 in dem Örtchen Weildorf einem Teilort von Teisendorf statt. Für Gustl Bayrhammer, bislang eher als Theaterschauspieler aktiv, war der Film die erst dritte Kameraproduktion; er wird als Durchbruch für seine spätere Karriere im Fernsehen sowie an Münchner Theatern gesehen.[3]

Regisseur Rainer Erler war für seine gesellschaftskritische und provokante Filme bekannt und ließ sich von der Geschichte des Kurortes Bad Füssing ispirieren. Die Figur von Alois Pratzenhofer basierte auf dem Leben von Eduard Zwick, der für Bad Füssing das Johannesbad gründete diesem Ort zu Wohlstand verhalf.[1]

Die Erstausstrahlung am 19. April 1966 sorgte für die Wut des Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks, da der Film eine „Verächtlichmachung bayerischer Lebensart“ sei.[4] Der Bayerische Rundfunk argumentierte damit, dass die „heimische Lebensart lächerlich gemacht“ würde und blendete sich bei der Wiederholung des Films im Jahr 1968 bei der Ausstrahlung aus. Stattdessen wurde die Komödienstadl-Episode Lottchens Geburtstag präsentiert.[1][3][2][4]

Rainer Erler sagte hierzu:

„Das Ganze war so ein Kainsmal, und der Gustl hat sehr gelacht, wie er erfahren hat, dass die Bayern sich bei den Wiederholungen ausgeblendet haben. Da kam dann stattdessen ‚Lottchens Geburtstag‘ von Thoma. Und irgendwann hieß es sogar: ‚Wenn der Film noch einmal auf dem Programm steht, steigt Bayern aus der ARD aus!‘ Aber ich bin wirklich unschuldig. Das ist ein echt komischer Film.“[3]

Kritiken[Bearbeiten]

„Rainer Erler interessiert, was in einer kleinen Gemeinde passiert, wenn das große Geld kommt, und das nimmt er mit bisweilen farce-haft überdrehtem Humor aufs Korn. […] Bemerkenswert ist das Ensemble von bayerischen Schauspielern, das der Regisseur versammelt hat. […] Der Film zeigt, was passiert, wenn aus Bauern Bauspekulanten werden, wenn das große Geld in ‚einfachen Menschen vom Land‘ die Bereitschaft weckt, ganze Lebensweisen und Landschaften über den Haufen zu schieben.“

Kai Beekman: MUH - Bayerische Aspekte[3]

TV Spielfilm erteilt dem Film nur den Durchschnittsdaumen und schreibt:

„Angestaubter TV-Oldie mit alten Bekannten.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Ehrenpreis bei der „Viennale des heiteren Films“ 1966[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 MUH - Bayerische Aspekte, Ausgabe 28, 2018, Der vergessene Film: Lange nicht gesehene bayerische Filme wieder ausgegraben: Das Bohrloch oder Bayern ist nicht in Texas, Seite 72
  2. 2,0 2,1 Rainer Erlers Film „Das Bohrloch“ ruft Proteste hervor. In: Chronik der ARD. Abgerufen am 8. Juni 2018.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 MUH - Bayerische Aspekte, Ausgabe 28, 2018, Der vergessene Film: Lange nicht gesehene bayerische Filme wieder ausgegraben: Das Bohrloch oder Bayern ist nicht in Texas, Seite 73
  4. 4,0 4,1 Stefan Volk: Skandalfilme - Cineastische Aufreger gestern und heute, Schüren-Verlag GmbH, 2011, ISBN 978-3-89472-562-4 (Auszug in Google Books)
  5. Das Bohrloch oder Bayern ist nicht in Texas. In: TV Spielfilm. Abgerufen am 8. Juni 2018.
  6. Filme nach Jahr: 1966. In: Webseiten der Viennale. Abgerufen am 8. Juni 2018.