Für eine Handvoll Dollar

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Filmdaten
Deutscher Titel Für eine Handvoll Dollar
Originaltitel Per un pugno di dollari
Fuer eine handvoll dollar.svg
Produktionsland Italien, Spanien, Deutschland
Originalsprache Italienisch, Englisch, Spanisch
Erscheinungsjahr 1964
Länge 100 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Sergio Leone
Drehbuch Víctor Andrés Catena
Jaime Comas Gil
Sergio Leone
Duccio Tessari
Produktion Arrigo Colombo
Giorgio Papi
Musik Ennio Morricone unter dem Pseudonym Dan Savio
Kamera Massimo Dallamano
Federico G. Larraya
Schnitt Roberto Cinquini
Alfonso Santacana
Besetzung

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Für eine Handvoll Dollar (Originaltitel: Per un pugno di dollari) ist ein Italowestern von Sergio Leone aus dem Jahr 1964. Er ist der erste Teil der sogenannten Dollar-Trilogie Leones.

Prolog (wurde nur für eine Fernsehausstrahlung verwendet)[Bearbeiten]

Für die amerikanische Fernsehfassung erhielt der Film einen Prolog der unter der Regie von Monte Hellman entstand. Die Rolle von Joe wurde von einem unbekannten Double verkörpert, dessen Gesicht nicht zu sehen ist. Außerdem hat er keinen Dialog. Die Einleitung entstand um der Figur von Joe einen moralischen Hintergrund zu verleihen für den Fernsehsender ABC.[1][2][3] Joe sitzt zu Beginn des Films im Gefängnis und wird von einem Regierungsangestellten (Harry Dean Stanton) damit beauftragt in den nächsten sechzig Tagen in dem Dorf San Miguel in New Mexico für Ordnung zu sorgen, da dort Gewalt, Schmuggel und Terror herrscht. Joe stimmt mit einem Nicken zu und macht sich mit einem Pferd auf die Reise nach San Miguel.

Gedreht wurde der Prolog in einem Hotel mit einem ehemaligen Kerker.[3]

Handlung[Bearbeiten]

Clint Eastwood in der Rolle von Joe

Joe kommt in das Dorf San Miguel in New Mexiko und bekommt mit, wie ein kleiner Junge nach seiner Mutter Marisol schreit, die im Nachbarhaus von Banditen gefangen gehalten wird. Diese verwehren dem Kind jeden Zutritt und schlagen diesen und dessen Vater zusammen, während Joe sich am Brunnen stärkt und diese Szene nur beobachtet. Als er das Zentrum des Dorfes betritt wird er von John Baxters Männern zur Zielschiebe und verjagt dessen Maulesel. Joe rächt sich in dem er die vier Männer erschießt und nach einer Gardinenpredigt von John Baxter dem Saloon des Dorfes zuwendet.

Dort begegnet er dem Wirt Silvanito, der ihn etwas zu essen schenkt und ihm die Empfehlung ausspricht aus dem Dorf zu verschwinden, da in dem Dorf ein Bandenkrieg zwischen dem angeloamerikanischen Clan der Baxters und dem Clan der mexikanischen Rojos herrscht. Joe beschließt sich in den Mittelpunkt des Streits zu setzen und beschreibt das ganze wie folgt:

„Die Baxters auf der einen Seite, die Rojos auf der anderen. Da werd´ ich mir ein Plätzchen in der Mitte suchen.[4]

Aus diesem Grund schließt sich Joe zuerst den Rojos an und wird von Esteban Rojo für 100 Dollar engagiert. Obwohl dessen Bruder Don Miguel dagegen ist. Währenddessen überfällt ihr Bruder Ramón Rojo als Amerikanischer Soldat verkleidet einen mexikanischen Goldtransport, bei dem sämtliche Soldaten getötet werden. Am nächsten Tag kehrt Ramón in die Stadt zurück und beschließt mit der Baxter-Familie Frieden zu schließen. Joe lernt außerdem die hübsche Marisol kennen und schätzen. Er beschließt sie mit ihrem Sohn und Mann wieder zusammen zu bringen.

Aus diesem Grund sorgt Joe zusammen mit dem Sargtischler Piripero dafür, dass einige Leichen der Soldaten auf den Friedhof platziert werden und erzählt beiden Banden, dass der überfallene Goldtransport einige Überlebende hatte, die sich auf dem Friedhof befinden. Währenddessen entführt er Marisol und bringt sie zu den Baxters, nachdem sie dessen Sohn Antonio Baxter entführt hat. Es kommt zum Gefangenenaustausch.

Schließlich feiern die Rojos ihren Sieg und Joe gibt vor, betrunken zu sein und befreit Marisol aus ihrem Gefängnis und überreicht der Familie etwas Geld und lässt sie fliehen. Joe kehrt zurück und wird von Ramón und seinen Männern empfangen und verprügelt. Anschließend flieht Joe bei einer günstigen Gelegenheit und die Rojos löschen die ganze Baxter-Familie aus, nachdem sie Joe dort vermuten. Joe hingegen ist untergetaucht und hat sich in einer Höhle versteckt. Dort bereitet er eine Eisenplatte als Panzerung vor. Währenddessen wird Silvanito von den Rojos misshandelt. Piripero informiert ihn über diese Geschichte und Joe beschließt einen offenen Angriff auf die Gangster zu starten.

Es kommt schließlich zum Showdown, bei dem es Joe gelingt seine Widersacher zu töten. Er verlässt schließlich das Dorf, da ihm eine ähnliche Konfrontation mit den beiden Armeen überhaupt nicht behagt.

Hintergrundinformationen[Bearbeiten]

Vorbilder[Bearbeiten]

Hauptartikel: Yojimbo – Der Leibwächter

Szene aus dem Theaterstück Der Diener zweier Herren

Der Film ist eigentlich ein Remake des Films Yojimbo – Der Leibwächter von Akira Kurosawa aus dem Jahr 1961. Allerdings wurde die Handlung der Geschichte vom einem Rōnin aus der Feudalzeit Japans in den wilden Westen verlegt. Als Vorlage für den pessimistischen und zynischen Film diente der Roman Rote Ernte von Dashiell Hammett aus dem Jahre 1927. Da der Film inoffiziell und somit ohne Genehmigung von Akira Kurosawa entstand, begann schließlich ein Rechtsstreit zwischen den Produzenten der beiden Filme. Kurosawa sagte über den Western:

„..a fine movie, but it was MY movie.“

... ein guter Film, aber es war Mein Film.[5]

Schließlich wurde endete mit einem Vergleich, bei dem Kurosawa die Verwertungsrechte für den Fernen Osten und eine weltweite Gewinnbeteiligung in Höhe von 15 % erhielt.[6][7]

Sir Christopher Frayling behauptet dass der Film auch auf dem Theaterstück Der Diener zweier Herren von Carlo Goldoni basiert.[8] Daneben hat sich Leone laut seiner eigenen Aussage auch von zahlreichen amerikanischen Western wie Mein großer Freund Shane oder Faustrecht der Prärie inspieren lassen.[9]

Dreharbeiten und Postproduktion[Bearbeiten]

Für den Film stand ein Budget von 200.000 US-Dollar zur Verfügung.[10] Für die Rolle von Joe waren unter anderem Henry Fonda, Charles Bronson, James Coburn oder Steve Reeves vorgesehen, die allerdings die Produktionskosten in die Höhe getrieben hätte. Schließlich fragte er Richard Harrison, der im ersten italienischen Western Drei gegen Sacramento die Hauptrolle übernahm, ob er die Rolle nicht übernehmen würde. Allerdings war er von den Dreharbeiten des vorherigen Films nicht begeistert und entschied sich dagegen. Allerdings fragte die Produzenten des Films nach einem möglichen Hauptdarsteller und er empfahl ihnen den damals noch völlig unbekannten Clint Eastwood.[11] Clint Eastwood wurde für insgesamt 15.000 Dollar engagiert. Für ihn waren die Dreharbeiten eine willkommene Gelegenheit Italien und Spanien zu erleben.[12] Für Eastwood war diese Rolle zusätzlich eine willkommene Abwechslung, da zuvor immer den sanften Helden in der Serie Tausend Meilen Staub verkörpert hatte. Über seine damalige Rolle als sanfter Held sagte er:

„In Rawhide, I did get awfully tired of playing the conventional white hat...the hero who kisses old ladies and dogs and was kind to everybody. I decided it was time to be an Anti-hero."“

Bei Tausend Meilen Stauben, war ich schrecklich gelangweilt von dem konventionalen weißen Hut... dem Helden der alte Damen und Hunde küsst und zu jedem nett ist. Ich entschied das es an der Zeit wäre, der Anti-Held zu sein.[13]

Gedreht wurde der Film vor allem in der spanischen Provinz Almería (insbesondere auf der Halbinsel Cabo de Gata) und in den Cinecittà-Studios in Rom gedreht. Die Szenen auf der Hauptstraße von San Miguel entstanden in Hoyo de Manzanares bei Madrid.[14]

Das Design des Intros stammte von Iginio Lardani. Es zeigt zur Musik von Ennio Morricone vor einem roten Hintergrund wie Cowboys in unterschiedlichen Situationen erschoßen werden.[15] Für Iginio Lardani bedeutete das Design des Intros nicht der Start einer internationalen Filmkarriere, stattdessen designte er mehrere Filmintros für Italowestern und die komplette Dollar-Triologie.[16]

Sergio Leone gelang es mit seinem Western einen gewaltigen Einfluß auf den Italowestern auswirken. Er wich mit seinen Figuren konsequent von den Charakteren des weichgespülten Western der 1950er Jahre ab. Da sie seiner Meinung eine unglaubliche Figurenentwicklung besaßen.[17] Um das amerikanische Pubilikum in die Kinos zu locken verwendeten die Crew Pseudonyme.

Der Film ist eine Italisch-deutsch-spanische Koproduktion, in der sehr viele deutsche Schauspieler in bedeutenden Nebenrollen auftraten. Unter anderem war die Ärztin und Schauspielerin Marianne Koch in der Rolle von Marisol zu sehen. Sie war dem deutschen Zuschauern vor allem aus Liebesfilmen wie Die Landärztin oder Mit Himbeergeist geht alles besser bekannt. Daneben hat sie auch schon in einigen Western wie Todestrommeln am großen Fluß mitgespielt. Die Rolle von Piripero, der Sargtischler war mit Josef Egger besetzt, der vor allem durch seine Rolle als tattriger Opa einem deutschen Pubilikum aus Filmen wie Die Fischerin vom Bodensee oder Liebesgrüße aus Tirol bekannt wurde. Die Rolle des sarkatischen Sargtischlers war hierzu ein großer Unterschied. Für die Fortsetzung der Dollar-Triologie Für ein paar Dollar mehr aus dem Jahr 1966 arbeitete er nochmals mit Sergio Leone zusammen. Er verstarb kurz am 29. August 1966 kurz vor der Weltpremiere des Films.

Der Film orientierte sich in seinem Design vor allem an John Ford der große Landschaftsaufnahmen in den Film einband und an der japanischen Methode von Akira Kurosawa. Leone wollte dem Zuschauer ein opernhaftes Gefühl vermitteln. Hierfür verwendete er mehrere Close-Up-Aufnahmen und kombinierte diese mit dem Emotionen und dem Rhytmus der Geschichte.[18]

Ursprünglich trug Joe eine schwarze Jeans, die von einem Sportgeschäft am Hollywood Boulevard stammten. Die Zigarre die rauchte stammte aus einem Geschäft in Beverly Hills.[19] Auch der Colt mit dem Waffengürtel und den Sporen brachte Eastwood von den Dreharbeiten zur Serie Tausend Meilen Staub mit. Allerdings entschied Designer Carlo Simi sich dafür, ihn mit einem spanischen Poncho auszustatten.[20]

Bearbeitungen[Bearbeiten]

Wiederaufführungs-Logo 1975

Wie bereits erwähnt fand die erste Überarbeitung des Films mit einem Prolog statt und wurde für den Fernsehsender ABC produziert.

Die deutsche Fassung wurde zuerst von Constantin Film veröffentlicht, die auch die erste Synchronfassung in die Wege leiteten. In der ersten Synchronfassung sprach Klaus Kindler Clint Eastwood, Rainer Brandt sprach Gian Maria Volonté; die meisten deutschsprachigen Darsteller (Marianne Koch, Sieghardt Rupp, Wolfgang Lukschy, Josef Egger) sprachen sich selbst.

1980 wurde der Film von Tobis neu synchronisiert und um mehrere Minuten gekürzt in die Kinos gebracht. Diesmal führte Rainer Brandt Dialogregie, was teilweise für witzigere Dialoge sorgte (z. B. Maulesel „Alfons“). Eastwood wurde wieder von Klaus Kindler gesprochen, ansonsten aber wurden andere Sprecher verpflichtet, unter anderem Ursula Heyer für Marianne Koch und Hans-Werner Bussinger für Gian Maria Volonté. Auch Rainer Brandt hatte wieder eine Sprechrolle, diesmal sprach er Sieghardt Rupp.

Die DVD-Veröffentlichung von Paramount ist völlig ungekürzt und enthält die Original-Kinosynchronisation von 1965. Außerdem ist eine von Tobis am 15. Februar 2013 veröffentlichte Blu-ray erhältlich, die ebenfalls eine ungekürzte Version des Films beinhaltet.

Kritiken[Bearbeiten]

„Der von Kurosawas ‚Yojimbo‘ inspirierte, von der Kritik auch seiner Gewalttätigkeiten wegen zunächst reserviert aufgenommene Film Sergio Leones wurde ein enormer Kassenerfolg und schuf ein neues Genre, den Italowestern. Zugleich begründete er die Karriere von Clint Eastwood.“

„Formal überraschend ansprechend gemachter europäischer Western, der aber fast ausschließlich von Schießereien, Mord und Sadimus lebt. Wegen dieser Tendenz und dem undifferenzierten Streben des Helden auch ab 18 mit Vorbehalten.“

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stevens, Brad (2003). Monte Hellman: His Life and Films. McFarland. S. 200.
  2. A Fistful of Dollars Prologue
  3. 3,0 3,1 DVD-Dokumentation: Für eine voll Dollar
  4. Filmzitat
  5. Stuart Galbraith IV: The Emperor and the Wolf. Faber and Faber, New York 2001 (Zugriff am 29 February 2008).
  6. Simon Gelten: FISTFUL - The Whole Story, part 2 - The Spaghetti Western Database. Spaghetti Western Database. Abgerufen am 3 June 2012.
  7. A Fistful of Dollars and Yojimbo. Side B Magazine. 14 April 2011. Abgerufen am 3 June 2012.
  8. The BFI Companion to the Western, 1988.
  9. Fridlund, Classical American Western and Spaghetti Western: A Comparison of Shane and A Fistful of Dollars. In 2003 Film & History CD-ROM Annual. Cleveland OH: Film & History, 2005
  10. "Ennio Morricone" by Jerry McCulley, essay in the 1995 CD "The Ennio Morricone Anthology", Rhino DRC2-1237
  11. Richard Harrison sur Nanarland TV (French) Nanarland TV. 18 September 2012.
  12. Frayling, Christopher (2006). Spaghetti westerns : cowboys and Europeans from Karl May to Sergio Leone (Revised paperback ed.). London: I. B. Tauris & Co. S. 141 ISBN 978-1845112073.
  13. Hughes, Howard (2009). Aim for the Heart. London: I.B. Tauris. ISBN 978-1-84511-902-7. S.4
  14. Drehorte nach imdb.com
  15. A Fistful of Dollars designer: Iginio Lardani
  16. Über Iginio Lardani
  17. Fridlund, Classical American Western and Spaghetti Western: A Comparison of Shane and A Fistful of Dollars. In 2003 Film & History CD-ROM Annual. Cleveland OH: Film & History, 2005
  18. Frayling, Christopher (2006). Spaghetti westerns : cowboys and Europeans from Karl May to Sergio Leone (Revised paperback ed.). S. 100 London: I. B. Tauris & Co. ISBN 978-1845112073.
  19. Munn, Michael (1992). Clint Eastwood: Hollywood's Loner. London: Robson Books. ISBN 0-86051-790-X.S. 46
  20. Munn, Michael (1992). Clint Eastwood: Hollywood's Loner. London: Robson Books. ISBN 0-86051-790-X. S.46
  21. Für eine Handvoll Dollar im Lexikon des internationalen Films
  22. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 99/1965