Götz George

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George bei der Romyverleihung 2009 in Wien, wo er für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde

Götz George (* 23. Juli 1938 in Berlin; † 19. Juni 2016) war ein deutscher Schauspieler. Große Popularität erlangte George in Deutschland als Duisburger Kommissar Horst Schimanski in der Krimireihe Tatort, zu deren beliebtestem Kommissar er in einer Emnid-Umfrage 2008 gewählt wurde.[1]

Lebenslauf[Bearbeiten]

Elternhaus[Bearbeiten]

Götz George war der Sohn von des Film- und Theaterschauspielers Heinrich George und von Berta Drews und wurde 1938 in Berlin geboren. Sein Vater verkörperte am Theater unter anderem auch die Figur des Götz von Berlichingen und benannte seinen 1938 geboren Sohn nach dieser Figur. Heinrich George war während der Nazidiktatur einer populären Schauspieler der NS-Filmpropagandaindustrie, der Hauptrollen in Filmen wie Hitlerjunge Quex (1933) und Kolberg (1945) sowie dem antisemitischen Propagandafilm Jud Süß übernahm. Während seine Mutter den zweiten Weltkrieg überlebte, starb sein Vater im Jahr 1946 im Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen. Für Götz George war sein Vater immer so etwas wie eine Überfigur.[2]

Götz George hat einen älteren Bruder namens Jan der 1931 geboren wurde und später als Fotograf, Dokumentar- und Werbefilmer arbeitete.[3]

Beginn seiner Karriere[Bearbeiten]

Die Karriere von Götz George begann 1950 am Berliner Hebbel-Theater in dem Stück Mein Herz ist im Hochland. Drei Jahre später stand er erstmals im Alter von 15 Jahren für den Heimatfilm Wenn der weiße Flieder wieder blüht in der Nebenrolle von Klaus vor der Kamera. Der Heimatfilm stellt auch das Filmdebüt von Romy Schneider dar.[4]

Von 1955 bis 1958 studierte er am Berliner UFA-Nachwuchsstudio bei Else Bongers, die zahlreiche Schauspieler wie Gaby Dohm oder Hildegard Knef ausgebildet hat.[5]

Seine erste Hauptrolle verkörperte mit der Rolle von Karl „Kalle“ Borchert in der DEFA-Komödie Alter Kahn und junge Liebe aus dem Jahr 1957. Das Filmlexikon urteilte über den Film:

„Gelegentlich holprig inszenierte, anspruchslose Unterhaltung, mit der Regisseur Heinrich an seinen Film "Der Kahn der fröhlichen Leute" (1950) anknüpfte.“[6]

1959 übernahm er die Rolle von Gustav Bäumler in dem Film Jacqueline und feierte damit seinen Durchbruch in der Filmbranche. Für seine Rolle wurde er mit dem Preis der deutschen Filmkritik und mit dem Deutschen Filmpreis (Bester Nachwuchsschauspieler) ausgezeichnet.[7]

Die schauspielerische Ausbildung erhielt er in der Zeit von 1958 bis 1963. Danach gehörte er zum Theaterensemble des Deutschen Theater in Göttingen und spielte dort Stücke unter der Leitung des Schauspielers und Theaterregisseurs Heinz Hilpert.

Zwischen Karl May und Dramen[Bearbeiten]

Während der 1960er Jahre übernahm er häufig Rollen in ernsteren Filmen wie beispielweise die des Wehrmachtssoldaten Robert Mertens in dem Film Kirmes.[8] Auch Filme wie Die Fastnachtsbeichte oder Der Teufel spielte Balalaika gehört zu den ernsten Filmen seiner Karriere.

1962 übernahm er die Rolle des Farmersohns Fred Engel in Der Schatz im Silbersee und erhielt im gleichen Jahr den Bambi als bester Nachwuchsschauspieler verliehen.[9] Er verkörperte mehrfach eine Rolle in den Karl-May-Filmen wie beispielsweise in Winnetou und das Halbblut Apanatschi. George absolvierte seine Stunts alle selbst, auch in seiner Hauptrolle als Sheriff in Sie nannten ihn Gringo.

George mit Janina Stopper während der Dreharbeiten zu Papa allein zu Haus (2009)

Horst Schimanski[Bearbeiten]

1968 übernahm Götz George die Rolle von Inspektor Eddie Blomfield in dem Film Ich spreng’ Euch alle in die Luft – Inspektor Blomfields Fall Nr. 1, der Film sollte der Beginn einer neuen Fernsehserie werden. Der Erfolg des Films blieb aus und somit übernahm Götz George mehrere Rollen in Kriminalserien wie Der Kommissar, Tatort, Derrick und Der Alte. Der Tatort gab ihm nach mehreren Nebenrollen die Chance die Nachfolge von Kommissar Haferkamp anzutreten. Die Krimis mit Haferkamp war bereits mit einer raueren Sprache ausgestattet. Ein Beispiel ist hierfür der Tatort-Krimi Zweikampf.[10] Allerdings trieb Götz George die Schlagzahl des Wortes Scheiße weit nach oben. Horst Schimanski drehte dem Publikum im ersten Teil der Schimanski-Krimis zuerst den Rücken zu, um die Neugier auf den neuen Kommissar zu erhöhen.

Vom 28. Juni 1981 bis zum 29. Dezember 1991 folgten insgesamt 29 Tatort-Folgen mit der Figur von Horst Schimanski im Rahmen der Tatort-Reihe. Mit Schimanski wagte sich der Tatort auch zweimal ins Kino und präsentierte die Filme Zahn um Zahn aus dem Jahr 1985 und Zabou aus dem Jahr 1987. Daneben hatte seine Figur 1990 einen Gastauftritt in dem Polizeiruf 110-Film Unter Brüdern. Bis zum Jahr 1997 befand sich die Figur von Schimanski im Ruhestand. 1997 erhielt er seine eigene Fernsehreihe die mit dem Film Schimanski: Die Schwadron begann und 2013 mit dem Film Loverboy nach 17 Filmen beendet wurde.

Erfolge der 1990er bis 2010er Jahre[Bearbeiten]

1992 übernahm er die Rolle des schmierigen Reporters Hermann Willié in dem Film Schtonk!. Auch in den Filmen Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief und in Zettl verkörperte er fröhliche und lustige Rolle.

In dem RTL 2-Film Der Sandmann übernahm die Rolle eines vermeintlichen Serienmörders und Literaten. Auch die Die Bubi-Scholz-Story gehörte zu den großen Erfolgen des Schauspielers. In Der Totmacher war er der Serienmörder Fritz Haarmann, was ihm unter anderem den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Venedig und den letzten von vier Deutschen Filmpreisen einbrachte. Der Film Nichts als die Wahrheit verkörperte er des Naziarztes Josef Mengele.

Privatleben[Bearbeiten]

Seine erste Ehefrau war die Schauspielerin Loni von Friedl mit der von 1966 bis 1976 verheiratet war. Aus der Ehe ging ihre Tochter Tanja George die bei Kurzfilmen Regie führte.[11] Seit 1998 lebte er mit der Hamburger Journalistin Marika Ullrich zusammen, die er im Jahr 2014 heiratete.[12]

In seinem Privatleben war er ein Fan des TSV 1860 München.[13][14]

Götz George starb am 19. Juni 2016 im Alter von 77 Jahren und wurde im engsten Familienkreis in Hamburg beigesetzt.[15]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tatort-Hitliste. Schimanski bleibt der Beste, Spiegel Online, 13. Mai 2008
  2. Jan spricht über seinen Bruder Götz George
  3. Eine Begegnung mit Götz George zum 70. Geburtstag. Dokumentation, 2008, 45 Min., Buch und Regie: Marika Ullrich, Produktion: WDR, Erstausstrahlung: 25. Juli 2008
  4. Magda Schneider über ihre Tochter in Renate Seydels Ich, Romy – Tagebuch eines Lebens. S. 24.
  5. Seltsam hoch begabt. In: Der Spiegel. Nr. 33, 2004.
  6. Götz George im Lexikon des internationalen Films
  7. IMDB-Eintrag zu Jaqueline
  8. https://web.archive.org/web/20071030210110/http://www.deutscher-tonfilm.de/k5.html
  9. http://www.bambi.de/bambis-waldgefluester/22532
  10. Tatort:Zweikampf
  11. Tanja George - The Screen Guide - Screen Australia. In: screenaustralia.gov.au. Abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch).
  12. Götz George will nicht mehr: „Ich hab genug gestrampelt“. Hamburger Abendblatt online, abgerufen am 19. Oktober 2014.
  13. Warum der TSV 1860 Götz George gratuliert In: TZ München, 23. Juli 2013, abgerufen am 26. Juni 2016.
  14. „Gong“-Notiz im Löwenbomber-Archiv. 13.8.1986 – Sardinien und 1860 Mark – Heckl spendierte zur Feier des Tages eine Runde Champagner.
  15. „Schimanski“-Schauspieler – Götz George ist tot. In: sueddeutsche.de. Abgerufen am 27. Juni 2016.