Heimatfilm

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Als Heimatfilm wird ein deutsches Filmgenre bezeichnet, bei dem die Heimatverbundenheit im Mittelpunkt steht. Häufig wird zwischen den Subgenres zwischen dem traditionellen und neuen Heimatfilm unterschieden. In den 1970er Jahren wurde der Heimatfilm mit dem Erotikfilm-Genre verknüpft und mit der Verknüpfung entstand der Lederhosenfilm, die ersten Entwicklungen in diese Richtung entstanden bereits im Vorfeld. Einige Filmhistoriker gehen davon, dass der Heimatfilm, dass einzige Genre ist das in Deutschland entstanden ist.[1]

Entwicklungen des Genres[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Heimatfilms auf das Bergfilmgenre zurück, das bereits seit den 1910er Jahren populär war. In den Filmen wurde oftmals die Geschichte eines Bergsteigers erzählt der aus dem Berg gerettet werden musste. Die Bergszenen zeigten oftmals die Natur als metaphorisches Bild.[2] Einen weiteren Einfluss auf den Heimatfilm hatte das Kulturfilm-Genre in dem oftmals die Natur gezeigt wurde. Ein Beispiel wäre hierfür der Kulturfilm Ewiger Wald aus dem Jahr 1936 in dem der deutsche Wald gezeigt wurde.

Fast zeitgleich mit den beiden Genres entstanden die ersten Verfilmungen der Heimatromane von Ludwig Ganghofer, die ab den 1910er Jahren verfilmt wurde. Eine der ersten Verfilmungen war Die Hochzeit von Valeni oder Der Jäger von Fall.[3] Aber auch deftige Schwänke aus dem Bauerntheater wurden bereits in der Anfangszeit des Heimatfilms verfilmt. Ein Beispiel ist Der Ochsenkrieg aus dem Jahr 1920, der ebenfalls aus der Feder von Ganghofer stammte.

Während der Zeit des Nationalsozialismus sollte die Liebe zur Heimat gestärkt werden und somit wurden weitere Ganghofer-Romane verfilmt. Auch Luis Trenker erhielt die Möglichkeit einen Heimatfilm im Auftrag der Nazis zu produzieren. Der Film Der verlorene Sohn aus dem Jahr 1934 stellt einen besonderen Heimatfilm dar, da hier der Held aus der Enge der Tiroler Bergwelt flieht, um die weite Welt zu erkunden. Hierbei verschlägt es ihn nach New York, wo er zur Zeit der großen Depression arbeitslos und hungernd durch die Großstadt irrt und vom Heimweh geplagt nach Tirol zurückkehrt.[4] Die Geschichte basiert zu groben Zügen auf dem Gleichnis des verlorenen Sohnes von Jesus Christus, dass später wieder in der einen oder anderen Form im Heimatfilm aufgegriffen wurde.[5]

Trotz dieser Produktionen die später zum Heimatfilm dazu gezählt wurden, gab es den Begriff Heimatfilm bis zu den 1930er Jahren noch nicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in Deutschland unter den Regisseuren der kurzlebige Trend von 1945 - 1949 Trümmerfilme zu produzieren. Diese zeigten jedoch ein düsteres Weltbild und spiegelten im wesentlichen den Alltag der Überlebenden wieder und konnten sich trotz Filme wie Die Mörder sind unter uns beim Kinopubilikum nicht erfolgreich durchsetzen.[6]

Während dieser Zeit wurden parallel zu den Trümmerfilm leichtere Produktionen wie Zugvögel oder Die seltsame Geschichte des Brandner Kaspar produziert, die dem Heimatfilm zwar am Leben hielten allerdings noch keinen nennenswerten Erfolg brachten. 1950 beendete der Film Schwarzwaldmädel von Hans Deppe die Zeit des Trümmerfilms und lockte 16 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos.[7] Der erste westdeutsche Farbfilm zeigte zahlreiche blühende Obstbäume, die unzerstörte Heimat vertreten durch Baden-Baden, die Kirche von Kloster St. Peter auf dem Schwarzwald und ein Leinwandpaar, das Filmgeschichte mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack schrieb. Daraufhin drehte Hans Deppe den nächsten Film mit Grün ist die Heide der zum Inbegriff des Heimatfilms wurde. Hier spielten ebenfalls Sonja Ziemann und Rudolf Prack die Hauptrollen. Der Film wurde erstmals als Heimatfilm bezeichnet und lockte wieder 16 - 18 Millionen Kinozuschauer in die Kinos.

1954 wurde in Österreich der Film Der Förster vom Silberwald produziert. Der Film erreichte über 28 Millionen Zuschauer und mit ihm begann die Silberwald-Filmreihe im Mittelpunkt des Filmes stand das Leiwandpaar Anita Gutwell und Rudolf Lenz. Ursprünglich wollte der Bundesjägermeister Franz von Mayr-Melnhof eigentlich nur einen Dokumentarfilm über die Arbeit als Jäger produzieren, allerdings wurde der Film in eine Liebesgeschichte umgewandelt.[8]

Die Erfolge der drei genannten Heimatfilme zogen viele Produzenten an weitere Heimatfilme zu produzieren. Es entstanden bis in die 1970er Jahre zahlreiche Heimatfilme wie beispielsweise Der Fischer vom Heiligensee, Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt oder … und ewig bleibt die Liebe. Besonders erwähnenswert sind die Immenhof-Filme aus den 1950er bis 1970er Jahren oder die Heimatkomödie Das sündige Dorf mit Joe Stöckel und Beppo Brem. Auch die Schweiz produziert mit Heidi und Uli der Knecht einige bekannte Kassenschlager des Genres. Auch aus Österreich nuschelte sich Hans Moser zusammen mit Paul Hörbiger durch zahlreiche Heimatfilme. Beispiele sind Mariandl, Die Lindenwirtin vom Donaustrand, Der Sündenbock von Spatzenhausen.

In den 1960er Jahren begann sich der Heimatfilm zu verändern, mit dem Film Lausbubengeschichten wurden die Geschichten des Heimatfilms noch eine Spur frecher und hieraus entwickelte sich langsam aber sicher der Neue Heimatfilm heraus. In dem Film der viermal fortgesetzt wurde, wurden die Jugendabenteuer von Ludwig Thoma erzählt. Regie führte Helmut Käutner. Durch die Sexfilmwelle entwickelte sich der Lederhosenfilm eine Hybrid-Version aus Heimatfilm und Sexfilm. Gründungsfilm für dieses Genre war Liebesgrüße aus der Lederhos’n mit Peter Steiner in der Hauptrolle. Weitere Beispiele für dieses Genre sind Ach jodel mir noch einen, Alpenglühn im Dirndlrock oder Gaudi in der Lederhose. Daneben entwickelte sich die Kumpelfilm-Reihe Laß jucken, Kumpel zu einem Hit des Ruhrpott-Sexfilms und lockte ebenfalls Millionen Besucher in die Kinos. Die teilweise auch zum Lederhosenfilm gezählt wurden.

Durch das Oberhausener Manifest und dem Leitspruch Papas Kino ist tot nahmen sich vor allem während der 1970er Jahre nur wenige junge Regisseur dem Genre an und entfremdeten es teilweise. Zwei bekannte Beispiele sind Jagdszenen aus Niederbayern oder Die Geierwally.

Der Heimatfilm wurde schließlich ab den 1990er Jahren zu einem Fernsehfilmprodukt, bei dem viele Filme in Massenproduktion entstanden. Daneben können Fernsehserien wie Die Schwarzwaldklinik, Schlosshotel Orth oder Forsthaus Falkenau als Nachfolger der Heimatfilme angesehen werden. Auch hier wird mit Autoritäten und Klischees gearbeitet. Zugleich werden Elemente der US-amerikanischen Seifenoper hinzugefügt. Einige wenige Heimatfilme schafften es in den 2000er Jahren in die Kinos. Beispiele sind Das finstere Tal oder Die Geschichte vom Brandner Kaspar.

Inhalte des traditionellen Heimatfilms[Bearbeiten]

Traditionelle Heimatfilme spielen oft in ländlichen Regionen, in einer „heilen Welt“, wobei vor allem Themen wie Freundschaft, Liebe, Familie und das Leben in der dörflichen sowie kleinstädtischen Gemeinschaft vorherrschen. Die Filmproduzentin Ilse Kubaschewski der Gloria Filmverleih GmbH produzierte ihre Heimatfilme nach folgenden Produktionsregeln:

Die Figuren der Filme waren meistens Stereotypische Natur hier tauchte beispielsweise der großspurige Großstädter, der kluge und bescheidene Bauer auf oder ein Bösewicht, der durch seine Taten die Natur oder den Frieden der Familie gefährdet auf.

Die Inhalte des traditionellen Heimatfilms lassen sich mit den Inhalten des klassischen Westerns vergleichen, weshalb beide Filmgenres gerne miteinander vergliechen werden.

Der Neue Heimatfilm[Bearbeiten]

Der bereits erwähnte neue Heimatfilm bedient sich eher sozial kritischen Themen oder dokumentiert die Zeit der Weltkriege oder ähnliche Kapitel der Vergangenheit. Dieses Subgenre wird häufig mit dem Italowestern vergliechen.

Wichtige und bekannte traditionelle Heimatfilme[Bearbeiten]

siehe auch Kategorie:Heimatfilm

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Goethe-Institut: Fantasie-Welten und Realismus - Dossier Heimatfilm
  2. Lexikon der Filmbegriffe: Bergfilm
  3. IMDB-Eintrag Ganghofer
  4. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T – Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 45.
  5. Vergleich mit dem Lukasevangelium 15,11–32 und dem Film
  6. Filmlexikon: Trümmerfilme
  7. Bambi 1950: Die Jugend setzt sich durch
  8. Jens Ivo Engels: Naturpolitik in der Bundesrepublik. Ideenwelt und politische Verhaltensstile in Naturschutz und Umweltbewegung 1950-1980, Paderborn 2006, Seite 238.
  9. Spiegel Online: Geburt des Heimatfilms "Die Leute woll'n wat Schönes sehn"