Heinz Erhardt

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Ehrung zum 100. Geburtstag durch eine Sonderbriefmarke der Deutschen Post AG im Jahr 2009
Heinz-Erhardt-Denkmal am Heinz-Erhardt-Platz in Göttingen als Szene im Film Natürlich die Autofahrer

Heinz Erhardt (* 20. Februar 1909 in Riga; † 5. Juni 1979 in Hamburg-Wellingsbüttel) war ein deutsch-baltischer Komiker, Musiker, Komponist, Unterhaltungskünstler, Schauspieler, Moderator und Dichter.

Lebenslauf[Bearbeiten]

Heinz Erhardt wurde am 20. Februar 1909 in Riga geboren. Sein Vater war der deutsch-baltischer Kapellmeister Gustl Erhardt. Seine Kindheit verbrachte er größtenteils bei seinen Großvater Paul Neldner ein Musikhaus führte. Sein Großvater brachte ihm das Klavierspiel näher. Kurz vor seiner Einschulung holte ihn seine Mutter nach St. Petersburg. Er selbst sprach von seiner ersten Entführung. [1]

Sein Vater nahm ihm im Alter von 10 Jahren nach Deutschland auf Tour mit, bis er bei dessen zweiter Ehefrau Käthe Erhardt bleiben konnte. Diese Tatsache bezeichnete Heinz Erhardt als zweite Entführung.[1] Heinz Erhardt musste insgesamt 15 Mal die Schule wechseln und schaffte das Abitur nicht mehr. Im Jahr 1926 schmieß er die Schule hin, nach dem er wieder in Riga lebte und bei seinem Großvater mithalf.[1] Nachdem sein Großvater im Jahr 1929 starb übernahm sein Stiefvater das Geschäft und Heinz Erhardt, hatte auf dieses Geschäft keine Lust mehr, er arbeitete stattdessen an seinen Programmen.[1]

Er machte zuerst eine Ausbildung zum Kaufmann und finanzierte sich mit dem Geld das er verdiente sein Studium am Konservatorium in Leipzig um, dort Klavier und Komposition zu erlernen.[2] Bis 1938 arbeitete er im ehemaligen Geschäft seines Großvaters und trat nebenher mit seinen selbst komponierten und komischen Texten und Liedern in den Kaffeehäusern der Stadt auf. Das Jahr 1937 könnte als sein Karrierestart bezeichnet werden, da er bei den Reichssendern Königsberg und Danzig auftrat und seine Lieder vortrug. Bereits 1932 galt er als Geheimtipp der Presse.[3]

Heinz Erhardt wurde 1938 von Schauspieler Willi Schaeffers nach Berlin ans renommierte "Kabarett der Komiker" geholt, nachdem Erhardt mehrere magere Zeiten durchmachen musste. Seine Auftritte zusammen mit der bekannten Tänzerin La Jana wurden gefeiert. Aus dieser Zeit ist eine Fernsehaufnahme aus der Fernsehsendung Bunte Fernseh-Fibel des Senders Paul Nipkow Berlin erhalten geblieben, bei der er das Stück Mein Mädchen zum besten gibt.[4] Über die Bühne schreibt Heinz Erhardt selbstironisch:

„Viele betreten ja die Bretter, die die Welt bedeuten - und merken nicht, dass sie auf dem Holzweg sind.“[5]

Heinz Erhardt wurde nach zwei Musterungen, bei denen er auf Grund seiner Brille und der Tatsache das er nicht Schwimmen konnte durchfiel, 1941 als Truppenbetreuer bei den Musikkorps an die Front gerufen wird. Er selbst hat nur die Grundausbildung absolviert und ansonsten nur die Soldaten mit einem bunten Programm unterhalten.[6]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann er im Jahr 1946 für den Radiosender NWDR eine Sendung namens So was Dummes als Moderator zu arbeiten. Die Engländer der Zensurbehörde sagten über ihn:

„Sie sind der einzige Deutsche, über den wir lachen können, ohne dass wir ein einziges Wort verstehen!“[1]

1947 feierte als Theaterschauspieler mit dem Stück Lieber reich, aber glücklich, erste große Erfolge. 1949 arbeitete er als Erzählerstimme erstmals beim Film in dem Verkehrsfilm Wer macht was falsch?. Es folgten mehrere Nebenrollen in Filmen wie Gesucht wird Majora oder II-A in Berlin.

Erst der Film Der müde Theodor brachte ihm den Durchbruch und die Presse feierte ihn erneut:

„Der deutsche Film wurde um einen guten Schauspieler reicher!“[1]

Es folgten zahlreiche Hauptrollen wie Witwer mit fünf Töchtern oder Immer die Radfahrer, die Kassenschlager wurden. Heinz Erhardt hatte beim Fernsehen selbst immer das Gefühl, dass ungebetener Gast das Wohnzimmer zu betreten. Dennoch wagte er sich an das Experiment und gründete seine eigene Fernsehproduktionsfirma namens Heinz Erhardt Productions bei der mehrere Kurzfilme wie Abenteuer in Norfolk produzierte. Das Experiment selbst floppte und die Produktionsfirma wurde 1963 wieder geschlossen, allerdings trat 1962 in seiner Produktionen namens Willi Winzig die Figur des Finanzbeamten Willi Winzig erstmals in Erscheinung. 1969 folgte die Hauptrolle in dem Theaterstück Das hat man nun davon in dem Willi Winzig eine weitere große Rolle spielte.[7]

Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich gegen Ende 1960er Jahre und er quälte sich mit Herzrasen oder Fieber. Mit diesen Krankheiten ging er oftmals auch auf die Bühne. Am 11. Dezember 1971 erlitte er einen Schlaganfall. Während dieser Zeit drehte er den Film Willi wird das Kind schon schaukeln ab, dieser Film musste in einigen Szenen nachsynchronisiert werden, da durch den Schlaganfall das Sprachzentrum in Mitleidenschaft gezogen wurden. Zehntausende Genesungsbriefe gingen für ihn ein. Im Vorfeld moderierte er die Shows Baden-Badener Roulette und Unsere kleine Show.

Bis 1978/1979 zog er sich ins Privatleben zurück. Zusammen mit seinem Sohn Gero Erhardt arbeitete er an seinem letzten Fernsehfilm mit dem Titel Noch 'ne Oper, der anlässlich seines 70. Geburtstages im ZDF ausgestrahlt wurden. Am 1. Juni 1979 wurde Heinz Erhardt das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland nachträglich zum 70. Geburtstag verliehen.[8] Vier Tage später, am 5. Juni 1979, starb Erhardt. Er wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg beigesetzt.[9] Im Jahr 2014 wurde ein bis dato unbekannter Film namens Geld sofort mit Heinz Erhardt wiederentdeckt, der bei seiner Erstausstrahlung am 6. Januar 2015 im NDR Fernsehen einen Marktanteil von 6,1 Prozent mit 1,72 Millionen Zuschauer erreichen konnte.[10]

Familie[Bearbeiten]

1935 heiratete Heinz Erhardt die Tochter des ehemaligen italienischen Konsuls in Sankt Petersburg, Gilda Zanetti (1913–1987), die er, wie er schreibt, in einem Aufzug kennengelernt hatte. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Grit (* 1936, verh. Berthold), Verena (* 1940, verh. Haacker), Gero (* 1943) und Marita (* 1944, verh. Malicke). Gero Erhardt wurde Kameramann und Regisseur. Erhardts Enkel Marek Erhardt ist Schauspieler.

Wirken[Bearbeiten]

Heinz Erhardts Humor baut in erster Linie auf Wortspiele und verdrehte Redewendungen auf. Dazu kommen seine Bewegungen und Grimassen, die das Gesamtbild des komischen Dicken komplettierten. Zu seinen Vorbildern gehörten Erich Kästner, Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz.[11]

Seine Filmrollen zeigten ihn meistens als netten, etwas verwirrten Vater oder Onkel, der Unsinn erzählt. Allerdings verkörperte er oft den klassischen Spießbürger des Wirtschaftswunders, der in peinliche Situationen gerät und diese mit Humor überwindet. Heinrich Detering bezeichnet ihn als:

„einen Poeten, der es sich selbst und seinen Lesern nicht immer leicht gemacht hat, weil er es ihnen zu leicht machen wollte.“

Er war unter anderem ein Vorbild für Otto Waalkes oder Willy Astor.[12] [13]

Filmografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste der Heinz-Erhardt-Filme

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Grit Berthold, Verena Haacker, Marita Malicke: Heinz Erhardt privat. Fackelträger, Oldenburg 2000, ISBN 3-7716-2164-X. (Geschrieben von den Töchtern Heinz Erhardts.)
  • Rainer Berg, Norbert Klugmann: Heinz Erhardt, dieser Schelm – Die Lebensgeschichte des großen Komikers. Heyne, München 1993, ISBN 3-453-06138-1. (Copyright: Fackelträger, Hannover 1987)
  • Manfred Hobsch, Michael Petzel: Heinz Erhardt: Mopsfidel im Wirtschaftswunderland. Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 2004, ISBN 3-89602-498-1. (Bildband über Filme Heinz Erhardts aus den fünfziger und sechziger Jahren)
  • Rolf Thissen: Heinz Erhardt und seine Filme. Heyne, München 1986, ISBN 3-453-86089-6.
  • Unvergeßlicher Heinz Erhardt. Rowohlt, Reinbek 1980, ISBN 3-499-14245-7.
  • Covertext von Horst Klemmer auf der Doppel-LP Heinz Erhardt – Das große Lachen. (Teldec, 1977)
  • Arne Mentzendorff: Heinz Erhardt, der Humorist aus Riga, hg. vom Bund der Vertriebenen, Hans-Dieter Handrack, Bonn 1999. ISBN 3-925103-97-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Heinz Erhardts unvollendeter Autobiografie "Ich war eine frühentwickelte Spätausgabe
  2. Mit Sprachwitz zum Schelm der Nation – Heinz Erhardt wäre 100 geworden. – Beitrag des ZDF am 20. Februar 2009
  3. Rigaer Rundschau
  4. "Fernsehfibel", ausgestrahlt am 15.11.1939 vom Sender Paul Nipkow Berlin. (Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin, Mag.-Nr. SP 17290)
  5. Erhardt, Heinz: Das große Heinz Erhardt Buch
  6. Rainer Berg, Norbert Klugmann: Heinz Erhardt, dieser Schelm – Die Lebensgeschichte des großen Komikers. Heyne, München 1993, ISBN 3-453-06138-1. (Copyright: Fackelträger, Hannover 1987)
  7. Heinz Erhardt Biografie
  8. Der deutsche Komiker Heinz Erhardt stirbt am 05. Juni 1979 in Hamburg. auf hamburg.de, abgerufen am 26. Februar 2013.
  9. Das Grab von Heinz Erhardt. auf knerger.de
  10. tvwunschliste: NDR punktet mit Heinz-Erhardt-Premiere (abgerufen am 7. Januar 2014)
  11. Nach: Steffen Jacobs (Hrsg.): Die komischen Deutschen. 881 gewitzte Gedichte aus 400 Jahren. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2004, ISBN 978-3-86150-598-3. S. 803.
  12. Waalkes Interview auf Die Welt, abgerufen am 8. Mai 2013.
  13. Astor Interview auf Reutlinger Nachrichten, abgerufen am 8. Mai 2013.