Innocence of Muslims

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Unschuld der Muslime
Originaltitel Innocence of Muslims
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2012
Stab
Drehbuch Nakoula Basseley Nakoula
Produktion Nakoula Basseley Nakoula
(alias „Sam Bacile“ bzw. „Alan Roberts“)

Innocence of Muslims (engl. für Die Unschuld der Muslime) ist der Titel eines englischsprachigen Low-Budget-Films aus dem Jahr 2012, den Demonstranten in mehreren arabischen Ländern zum Anlass für Proteste und militante Extremisten als Anlass für möglicherweise schon länger geplante Angriffe auf Botschaften und Konsulate der USA nahmen.[1] Im Verlauf der Ausschreitungen wurden bisher mindestens acht Menschen, darunter der US-amerikanische Botschafter in Libyen J. Christopher Stevens getötet.[2]

Die bisher bekannten Ausschnitte des Films, die in mehreren Sprachversionen auf das Videoportal YouTube hochgeladen wurden, werden von zahlreichen Medien inhaltlich als antiislamisch[3][4][5] und inszenatorisch als laienhaft eingestuft.[6] Die Proteste gegen den Film setzten erst Monate nach der Veröffentlichung dieser Ausschnitte ein, am 11. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001.

Die Hintergründe seiner Entstehung und weitere Produktionsdetails sind bisher nicht vollständig geklärt.[1] Der Film wurde von einer Person unter den Pseudonymen Alan Roberts und später Sam Bacile produziert, der zugleich die Regie geführt und das Drehbuch geschrieben haben soll. US-amerikanische Medien und Behörden zufolge handelt es sich bei dem Macher des Films um den in Südkalifornien lebenden koptischen Christen Nakoula Basseley Nakoula.[7] Nakoula hat dies mittlerweile zugegeben.[8]

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung des Films ist aufgrund der Tatsache, dass bisher lediglich Ausschnitte in einer Gesamtlänge von etwa 14 Minuten öffentlich verfügbar sind und der Film während der Postproduktion wohl inhaltlich stark verändert wurde, nur schwer wiederzugeben. Die meisten Ausschnitte sollen das Leben und Wirken des Religionsstifters Mohammed darstellen. Dies geschieht in einer überwiegend veralbernden und pejorativen Weise. So wird er von einem Straßenjungen, der sich mit ihm um einen abgenagten Knochen streitet, als Bastard beschimpft, sowie als Schürzenjäger, Kinderschänder und blutbeschmierter Mörder dargestellt. In einer Szene unterhält er sich mit einem Esel über Frauen und nennt ihn glücklich „das erste muslimische Tier“.

Entstehung und Produktionsdetails[Bearbeiten]

Das Projekt wurde 2011 im Branchenmagazin Backstage als „historischer Abenteuerfilm in der arabischen Wüste“ beworben, der Arbeitstitel soll Desert Warrior gelautet haben. Gecastet wurden rund 60 Schauspieler, 45 Crewmitglieder sollen zum Einsatz gekommen sein. Der mutmaßliche Produzent und Regisseur des Films war unter Hollywoodkollegen und Branchenkennern unbekannt, es existierten weder Einträge in einschlägigen Filmdatenbanken noch irgendwelche Informationen über eine Produktionsfirma. Die Angaben, die von einigen Nachrichtenagenturen nach angeblichen Telefonaten mit dem Urheber verbreitet wurden, etwa, dass die Produktion fünf Millionen Dollar gekostet haben soll, ließen sich nicht bestätigen. Aufgrund der mangelhaften handwerklichen Qualität des Films wurde dies angezweifelt. Das Budget betrug nach späteren Aussagen des Produzenten etwa 60.000 US-Dollar.

Als falsch erwiesen sich über Medienagenturen verbreitete Angaben Baciles, ein Jude mit israelischem Pass zu sein und den Film mithilfe jüdischer Geldgeber finanziert zu haben. Es besteht der Verdacht, diese Angaben seien von der Person gezielt verbreitet worden, um Antisemitismus zu schüren. Eine der beteiligten Schauspielerinnen gab an, der Produzent habe sich im Laufe der Dreharbeiten erst als Israeli, dann als Ägypter ausgegeben und habe auf dem Set arabisch gesprochen.[9] Gegenüber der Zeitschrift The Atlantic hatte ein an der Produktion beteiligter Vertrauter Baciles bestritten, dass dieser Israeli oder Jude sei. Der Name Bacile sei ein Pseudonym, das dieser benutze, um nicht Gefahr zu laufen, ermordet zu werden.[10] Medien identifizierten Sam Bacile schließlich als den aus Ägypten stammenden und in Kalifornien lebenden koptischen Filmemacher Nakoula Basseley Nakoula.[11][12] Nakoula gab gegenüber Medien und Agenturen zu, eine tragende Rolle bei der Produktion des Films eingenommen zu haben, bestritt aber, als Sam Bacile aufgetreten zu sein. Nachdem auch die zuständigen Behörden in den USA davon ausgingen, dass es sich bei Nakoula um den Hauptverantwortlichen des Films handeln müsse, gab Nakoula dies schließlich zu.[7]

Die meisten beteiligten Schauspieler distanzierten sich von der Produktion in einer gemeinsamen Presseerklärung. Sie seien über den Inhalt getäuscht und die Dialoge im Nachhinein stark verändert worden. Sie sagen weiter, der Film sei im Script "Desert Warrior" genannt worden und sollte, so sagte man ihnen, lediglich über das Leben vor 2000 Jahren berichten - Bezüge zum Islam sein dort nicht aufgetaucht und erst im Nachinein hinzugefügt worden.[13] Tatsächlich wurden diverse Dialoge nachträglich neu und auf so mangelhafte Weise synchronisiert, dass die Lippenbewegungen nicht zu den Dialogen passen.[6]

Verbreitung[Bearbeiten]

Ausschreitungsorte: Libyen (grün), Ägypten (orange), Sudan (rot) und Jemen (gelb)

Der Film wurde am 23. Juni 2012 in einem kleinen Kino namens Vine Theatre am Hollywood Boulevard in Los Angeles unter dem Titel The Innocence of Bin Laden uraufgeführt. Die Vorstellung soll etwa eine Stunde gedauert haben und nur von wenigen Gästen besucht worden sein. Es ist die wohl bisher einzige öffentliche Aufführung.[14] Ausschnitte des Films wurden im Juli 2012 auf YouTube hochgeladen, fanden zunächst jedoch kaum Beachtung. Erst im September führte eine arabisch synchronisierte Fassung zu einer schnellen Verbreitung in Ägypten und Libyen und zu Protesten radikalisierter Muslime in diesen Ländern.[6]

Proteste und Ausschreitungen[Bearbeiten]

Der US-Diplomat J. Christopher Stevens (18. April 1960 – 11. September 2012) wurde bei den Ausschreitungen in Bengasi, Libyen, getötet.

In der Folge dieser Proteste wurden am 11. September 2012 auf die US-amerikanische Botschaft in Kairo und das US-amerikanische Konsulat in Bengasi Anschläge verübt, bei denen mehrere Diplomaten und Soldaten ums Leben kamen. Zu den Todesopfern gehört der US-amerikanische Botschafter J. Christopher Stevens.[2][15][16] Einschätzungen des Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus Mike Rogers zufolge kann es sich bei dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi um einen geplanten Terrorangriff und nicht um die spontane Äußerung von Wut und Hass gehandelt haben.[1]

In Folge der Proteste fand der Film auch in westlichen Medien Beachtung und wurde überwiegend als gezielte Provokation gegen Muslime aufgefasst, was auch dadurch erkennbar sei, dass er im Internet vor allem von fundamentalistischen Christen verbreitet würde, darunter von Terry Jones und dem US-amerikanisch-ägyptischen Kopten und Blogger Morris Sadek, der bereits in der Vergangenheit mit antiislamischen Aktionen aufgefallen sei.[17][18][19][20]

Die Ausschreitungen wurden von hochrangigen Politikern Ägyptens und Libyens scharf verurteilt. Zur Vermeidung von Ausschreitungen sperrte Afghanistan seinen YouTube-Zugang.[21] Außerdem wurde von Youtube der Zugang aus Libyen und Ägypten gesperrt.[22]

US-Außenministerin Hillary Clinton distanzierte sich von den Filmemachern, ebenso UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Indes entsandten die USA zwei Zerstörer vor die libysche Küste zum Schutz von US-Bürgern vor Ausschreitungen.[23] Nachdem sein Name veröffentlicht wurde, stellten die USA den Filmemacher Nakoula Basseley Nakoula wegen befürchteter Übergriffe unter Polizeischutz.[24]

Am 14. September kam es auch zu Ausschreitungen im islamisch geprägten Sudan, bei denen die Deutsche und Britische Botschaft Ziel von Angriffen wurde.[25]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 US-Geheimdienste vermuten Terrorangriff. Tagesschau, 13. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  2. 2,0 2,1 US ambassador to Libya 'killed in attack on Benghazi consulate'. The Daily Telegraph, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012 (englisch).
  3. US Anti-Muslim Film 'Designed To Enrage'. Sky News, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012 (englisch).
  4. Obama says ‘absolutely no justification’ for killing U.S. ambassador in Libya. The Washington Times, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012 (englisch).
  5. 'Innocence of Muslims' video raises new questions for YouTube. Los Angeles Times, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012 (englisch).
  6. 6,0 6,1 6,2 Wer steckt hinter dem Mohammed-Film? Spiegel Online, 13. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  7. 7,0 7,1 Martin Ganslmeier: Radikale Kopten offenbar für Film verantwortlich, tagesschau, 14. September 2012
  8. Anti-Islam Film Producer Wrote Script in Prison: Authorities, ABC-News vom 14. September 2012
  9. ‘It Makes Me Sick’: Actress in Muhammed Movie Says She Was Deceived, Had No Idea It Was About Islam. Gawker.com, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012 (englisch).
  10. Muhammad-Film Consultant: 'Sam Bacile' Is Not Israeli, and Not a Real Name. The Atlantic, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012 (englisch).
  11. Anti-islamic film search leads to coptic Christian in California. The Guardian, 13. September 2012, abgerufen am 13. September 2012 (englisch).
  12. What We Know About 'Sam Bacile,' The Man Behind The Muhammad Movie. National Public Radio, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012 (englisch).
  13. Stern.de, abgerufen am 14. September 2012
  14. Innocence of Muslims: Mystery of film-maker 'Sam Bacile', BBC vom 13. September 201"
  15. Islamisten töten US-Botschafter bei Angriff auf Konsulat. Stern, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  16. Attacke soll geplant gewesen sein. Süddeutsche Zeitung, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  17. Zwei Stunden Hass. N24, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  18. Ein schwerer Affront für Muslime. Tagesschau, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  19. Obscure Film Mocking Muslim Prophet Sparks Anti-U.S. Protests in Egypt and Libya. The New York Times, 11. September 2012, abgerufen am 13. September 2012 (englisch).
  20. Im Hass vereint gegen die USA. Spiegel Online, 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  21. Ein grottenschlechter Film hält die Welt in Atem. news.de, 13. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  22. Der große Betrug mit dem unsäglichen Mohammed-Film. Die Welt, 13. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  23. www.focus.de/politik/ausland/tid-27324/tote-bei-protesten-vor-us-botschaft-in-sanaa-angst-vor-flaechenbrand-in-der-arabischen-welt_aid_819178.html
  24. http://www.n24.de/news/newsitem_8216389.html
  25. Mob stürmt deutsche und britische Botschaft. n-tv, 14. September 2012, abgerufen am 14. September 2012.

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