Italienischer Film

Ausschnitt aus dem ersten italienischen Film mit Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1898
Filmplakat von Cabiria

Die Italienische Filmgeschichte oder der Italienische Film ist ein bedeutender Teil der internationalen Filmkultur.

Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge ca. 1896 - 1915Bearbeiten

Die Anfänge des italienischen Film lassen sich auf den 12. März des Jahres 1896 zurückverfolgen, hier präsentierten die Brüder Lumière die ersten Filme in Rom und Milan. Einige Monate später waren die Filme an zahlreichen Orten wie Neapel oder Ancona zu sehen.[1] Ermöglicht hatte ihnen dies Vittorio Calcina.[2] Die ersten Filmaufnahmen die in Italien unter der Regie von William Kennedy Laurie Dickson entstanden sind, zeigen Papst Leo XIII. beim Segnen und bei einigen alltäglichen Aufgaben. Es war zugleich der erste Film, der im Vatikan entstanden ist.[3] Ein weiterer Film aus diesem Jahr war Il bagno di Diana.[4]

Auch die Brüder Lumière begannen damit einige Schüler auszubilden, deren erste Filme keine große Rolle spielten. Sie zeigten das alltägliche Leben oder besondere historische Ereignisse.[4] Der erste richtige Filmpionier auf italienischer Seite war Filoteo Alberini. Er entwickelte den Kinetografo Alberini und gründete die erste Filmgesellschaft Alberini & Santoni. Daneben eröffnete er das erste italienische Kino Cinema Moderno.[4] Sein Kurzfilm La Presa di Roma aus dem Jahr 1905 gilt als der erste fiktionale Film, der in Italien entstanden ist.[5][6]

Plakat zu Quo Vadis

Italien war vom Pioniergeist ergriffen und so entstanden in ganz Italien zahlreiche Filmstudios, von denen die wenigsten einen dauerhaften Bestand hatten und schnell wieder vom Markt verschwanden.[4] Eines der bedeutensten Filmstudios war Ambrosio Film, dass von Arturo Ambrosio zusammen mit Vittorio Calcina gegründet wurde.[7] In diesem Studio entstanden zahlreiche wie beispielsweise Satana oder Dante e Beatrice.[8] Über Turin war unter anderem in der Presse später folgendes zu lesen:

Hollywood imitierte Turin[4]

Der erste Langfilm der auf italienischen Boden entstand war L’inferno aus dem Jahr 1911.[9] Der Film selbst gilt als visuelles Meisterwerk der damaligen Filmkunst, da er zahlreiche Spezialeffekts präsentierte.[9][10][11] Der Film der auf Dantes Göttlicher Komödie basierte, konnte 2 Millionen US-Dollar an den amerikanischen Kinokassen einnehmen und war somit der erste italienische Filmerfolg.[12] Einige Szenen des Films wurden für die amerikanischen Filme Hell-O-Vision, The Blood of Jesus und Go Down, Death! wiederverwendet.[13][14]

1912 begannen die Dreharbeiten für den ersten Monumentalfilm in der Filmgeschichte in Italien mit über 5.000 Statisten und einer Laufzeit von 120 Minuten. Der Film hieß Quo Vadis und basierte auf den gleichnamigen Buch von Henryk Sienkiewicz. Veröffentlicht wurde der Film ein Jahr später.[15]

Das Filmepos Cabiria aus dem Jahr 1913 entstand unter der Regie von Giovanni Pastrone. In diesem Film übernahm Bartolomeo Pagano die Rolle von Maciste. Seine Figur wurde so populär, dass zahlreiche Filme mit dieser Figur entstanden. Bis 1927 wurde seine Figur regelmäßig von Pagano verkörpert.[16] Die ersten italienischen Filmdiven waren Lyda Borelli, Eleonora Duse und Francesca Bertini.[4]

Italienischer Futurismus ca. 1911 - 1919Bearbeiten

Hauptartikel: Italienischer Futurismus

Der italienische Futurismus beginnt damit, dass der Futurismus seine Blüte durch Schriftsteller wie Filippo Marinetti oder Maler wie Giacomo Balla erlebt hat. Einige Filmregisseure wie Anton Giulio Bragaglia ließen sich durch ihre Kunst beeinflussen und brachten Filme wie Thaïs oder Vita futurista in die Kinos. Der Filmstil zeichnete sich durch die Erzählkunst von zukünftigen Ereignissen in abstrakten Gebäuden und Orten aus. Dieser Stil beeinflusste auch die Hyläa-Gruppe und den expressionistischen Film.[17] Mit dem Ende des ersten Weltkriegs endete diese kurze Epoche des italienischen Futurismus.[18]

Einführung des Tonfilms und Telefoni Bianchi ca. 1920 - 1940Bearbeiten

Die italienische Marktherrschaft endete mit dem Ende des ersten Weltkriegs. Die Gründe hierfür lagen auch in einer Strategieänderung der Filmstudios, die finanziell nicht aufging.[19] 1926 kam die erste cinegiornali in die Kinos, sie stellt das italienische Gegenstück zur deutschen Wochenschau dar.[20]

1924 kam ein weiterer Quo Vadis?-Film mit Emil Jannings in der Rolle des Nero in die Kinos. Aber dieser Film wurde von der Kritik mit gemischten Gefühlen aufgenommen, so schrieb Jerzy Toeplitz in seiner Geschichte des Films über diese Filmfassung folgendes:

„Man versuchte, den historischen Film durch „internationale Kombinationen“ zu neuem Leben zu erwecken, die damals sehr in Mode waren. Der Produzent von „Quo Vadis?“ (1924) der Rechtsanwalt Barattolo, engagierte für den Nero Emil Jannings und als Mitregisseur neben dem Italiener Gabriellino D'Annunzio den Deutschen Georg Jacoby. Aber diese Namen und die verausgabten Millionen für die Produktion halfen nicht. Die neue Fassung von Quo Vadis? war viel schwächer als Guazzonis Film, der zehn Jahre zuvor den Auslandsmarkt für die italienische Kinematografie erobert hatte."[21]

Am 7. Oktober 1930 wurde der erste italienische Tonfilm mit dem Titel La canzone dell'amore veröffentlicht.[22]

Kritiken wie diese waren bezeichnend für den italienischen Film der 1920er Jahre. Erst Regisseure wie Alessandro Blasetti, Mario Camerini und dessen Cousin Augusto Genina brachten den italienischen Film wieder auf den Markt zurück. Daneben entwickelte sich mit den 1930er Jahren das Filmgenre des Telefoni Bianchi. Der Name geht auf die Art-Decor-Ausstattung der Filme zurück, die vor allem durch die Verwendung von weißen Telefonen populär wurden.[23] Die Filme spielten oftmals in der High Society von Italien und erzählten komödiantische Verwicklungen rund um das Thema Liebe.[24]

Studio di Cinecittà

Während der Telefoni Bianchi leichte Geschichten erzählte versuchten Regisseure wie Alessandro Blasetti mit satirischen Filmen wie Nerone aus dem Jahr 1930 oder Sole auf die aktuellen Probleme der Gesellschaft aufemerksam zu machen.[25]

Cinecittà ca. 1937 bis heuteBearbeiten

Hauptartikel: Cinecittà

Die italienische Filmstadt Cinecittà wurde am 28. April 1937 durch Benito Mussolini eröffnet.[26] In seiner Eröffnungsrede sprach der Diktator davon, dass der Film die stärkste Waffe sei.[26]

Mit Cinecittà begann eine Massenproduktion an Spielfilmen, bis 1943 entstanden über 300 Spielfilme in der Filmstadt. Der zweite Weltkrieg auch an der Filmstadt nicht spurlos vorbei, sie wurde bombiert und nach dem Ende des Krieges bis 1947 als Lager für Displaced Persons verwendet, was die Produktion von Filmen unmöglich machte.[27] Hier arbeiteten zahlreiche erfolgreiche Regisseure wie Alessandro Blasetti, Roberto Rossellini, Vittorio De Sica und Luchino Visconti daran die Filmstadt bekannter zu machen.

Amerikanische Filmproduzenten begannen die Filmstadt für ihre großen Filmproduktionen wie Quo vadis? aus dem Jahr 1951 oder Ben Hur bis zum heutigen Tag zu nutzen. Weitere Beispiele sind Gangs of New York aus dem Jahr 2002 und Die Passion Christi aus dem Jahr 2004. Auch Federico Fellini sorgte mit La dolce vita aus dem Jahr 1960, dafür, dass der Ruhm der Filmstadt größer wurde.

Szene aus Rom, offene Stadt

Neorealismus ca. 1943–1952Bearbeiten

Hauptartikel: Italienischer Neorealismus

Der Neorealismus entwickelte sich aus dem Schrecken des Krieges heraus.[28] Inhalte des Neorealismus waren Krieg, Resistenza (Widerstandskampf gegen Faschismus und deutsche Besatzer), Arbeitslosigkeit, Armut, Kriminalität und die Zerstörung von Familienstrukturen. Die Realität des Lebens wurde in den Mittelpunkt gestellt.[29] 1928 wurde der Begriff von dem Schriftsteller Umberto Barbaro erdacht.[30]

Ein Beispiel hierfür ist der Film Rom, offene Stadt von Regisseur Roberto Rossellini. In dem Film geht es darum, dass Rom am 14. August 1943 zur offenen Stadt erklärt wurde und der Ingenieur Giorgio Manfredi zusammen mit dem Priester Don Pietro Pellegrini im Widerstand gegen die Deutschen und italienischen Faschisten arbeiten. Sie werden von Kommunisten, Sozialisten und Monarchisten unterstützt. Hierbei kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Don Camillo und Peppone ca. 1952 bis 1983Bearbeiten

Hauptartikel: Don Camillo und Peppone

Kirche von Brescello

Die Filmreihe Don Camillo und Peppone ist ein markantes Stück italienischer Filmgeschichte. Die bekanntesten Verfilmungen der Geschichten entstanden zwischen 1952 und 1965 mit Fernandel als Don Camillo und Gino Cervi als Peppone. Gedreht wurden die Filme im italienischen Brescello, einem Ort in der Poebene in der Emilia-Romagna. Noch heute erinnert das 1989 eingeweihte Museum Peppone e Don Camillo an die Filmarbeiten. Es wurden insgesamt sechs vollständige Filme in Brescello gedreht – aber nur die ersten fünf mit Fernandel und Gino Cervi. Fernandel verstarb 1971 während der Dreharbeiten zum sechsten Film (Don Camillo und das rothaarige Mädchen), der unvollendet und unaufgeführt blieb. Der spätere Film von 1972 ist ein komplettes Remake mit anderen Darstellern. Es entstanden folgende Filme:[31]

Jahr Filmtitel Regie Spielzeit
1952 Don Camillo und Peppone
ital.: Don Camillo
franz.: Le petit monde de Don Camillo
engl.: The little world of Don Camillo
Julien Duvivier 107 min
1953 Don Camillos Rückkehr
ital.: Il ritorno di Don Camillo
franz.: Le retour de Don Camillo
engl.: The return of Don Camillo
Julien Duvivier 100 min
1955 Die große Schlacht des Don Camillo
ital.: Don Camillo e l'onorevole Peppone
franz.: La grande bagarre de Don Camillo
engl.: Don Camillo's last round
Carmine Gallone 97 min
1961 Hochwürden Don Camillo
ital.: Don Camillo Monsignore…ma non troppo
franz.: Don Camillo…Monseigneur!
engl.: Don Camillo: Monsignor!
Carmine Gallone 115 min
1965 Genosse Don Camillo
ital.: Il compagno Don Camillo
franz.: Don Camillo en Russie
engl.: Don Camillo in Moscow
Luigi Comencini 95 min
1971 Don Camillo und das rothaarige Mädchen
ital.: Don Camillo e i giovani d'oggi
franz.: Don Camillo et les contestataires
Christian Jaque unvollendet
1972 Don Camillo und das rothaarige Mädchen
ital.: Don Camillo e i giovani d'oggi
franz.: Don Camillo et les contestataires
Mario Camerini 111 min
1983 Keiner haut wie Don Camillo
ital.: Don Camillo
Terence Hill 126 min
Soldaten die auch in einem Sandalenfilm mitspielen könnten

Sandalenfilm ca. 1958 bis 1965Bearbeiten

Hauptartikel: Sandalenfilm

Der Ursprung des Sandalenfilm geht eigentlich auf das bereits erwähnte Filmepos Cabiria zurück, in dem Maciste der erste Serienheld sein Debüt feierte.[16] Der Begriff Sandalenfilm wurde durch Filmkritiker geprägt, um Filme zu bezeichnen die große antiken Themen präsentierten. Der Begriff Sandalenfilm bezog sich auf das wüstentaugliche Schuhwerk, dass vor allem durch die Sandalen geprägt wurde.[32]

Die Stoffe dieser Filme orientierten sich an den großen Mommumentalfilmen die während dieser Zeit häufig in Italien produziert wurden. Die italienischen Filmstudios versuchten mit dem größeren Augenmerk auf den Schwertkampf und die Action an den Erfolg anzuknüpfen.[33]

Ein populäre Filmhelden waren neben Maciste, Zorro, Hercules oder der einfache Gladiator. Zu den bekanntesten Film des Genres gehört der Film Die unglaublichen Abenteuer des Herkules. Daneben wurden auch biblische Stoffe verfilmt, die ebenfalls dem Sandalenfilm zugerechnet wurden wie beispielsweise Barabbas. Es entstanden auch Filme bei denen die antiken Filmhelden auch auf Vampire, Maulwurfmenschen oder Außerirdische stießen. Ein Beispiel für solche merkwürdige Begegnung ist Maciste und die Königin der Nacht, in der Maciste gegen Maulwurfmenschen kämpfen muss.

Totò auf einem Foto aus dem Jahr 1918

Commedia all’italiana ca. 1959 bis 1980Bearbeiten

Hauptartikel: Commedia all’italiana

Der Begriff Commedia all’italiana steht für italienische Komödie die während der späten 1950er- und 1960er-Jahre produziert wurden. In den Komödien wird auf bissige und böse Art die Gewohnheiten des Bürgertums persifiliert. Die Filme gingen aus der Phase des rosaroten Neorealismus hervor. Einer der Begründer war Mario Camerini.[34]

Der italienische Schauspieler und Drehbuchautor Totò drehte zahlreiche Filme die diesem Genre zu gerechnet werden. Seine Filme zeichneten sich vor allem durch eine leichte Art des Lebens aus. Bekannt wurde er unter anderem durch Filme wie Räuber und Gendarm oder Totò und die Frauen. Der Film Diebe haben’s schwer der unter Mario Monicellis Regie entstand, sollte der Urvater der Commedia all’italiana werden. Hier übernahm Totò die Rolle von Dante Cruciani. Er war später in weiteren Filmen dieser Art zu sehen. Ein weiteres Beispiel ist der Film Unser Boß ist eine Dame mit Senta Berger in der Hauptrolle.[35]

Filme wie Scheidung auf Italienisch, Verliebt in scharfe Kurven oder Das nackte Cello sorgten dafür, dass auch das Thema Sexualität im italienischen Film thematisiert wurde. Schauspielerinnen wie Sophia Loren oder Senta Berger, symbolisierten die Sexsymbole des Genres.

Der Italowestern ca. 1960 bis 1979Bearbeiten

Hauptartikel: Italowestern

Filmset für Zwei glorreiche Halunken in Almeria, Spanien

Der Italowestern manchmal auch Spaghettiwestern oder Eurowestern genannt ist ein eigenständiges Filmgenre des Western, der vor allem durch italienische Produktionsfirmen und Regisseure wie Sergio Leone bekannt wurde. Die Filme wurden hauptsächlich in Europa gedreht. In der Blütezeit des Genres wurde Filmmarkt mit den meistens sehr kostengünstigen Produktionen überschwemmt. In den 1970er Jahren nahm das Interesse an diesem Genre merklich ab, was dazu führte, dass die Produktion dieser Filme eingestellt wurde.[36]

Die wichtigsten und populärsten Italowestern waren jene von Sergio Leone, dessen Dollar-Trilogie besteht aus: Für eine Handvoll Dollar, Für ein paar Dollar mehr und Zwei glorreiche Halunken. Clint Eastwood ist in allen 3 Teilen als Schauspieler zu sehen und die Filmmusik von Ennio Morricone wurde weltberühmt. Ebenso bedeutend wurde der Italowestern Spiel mir das Lied vom Tod. Daneben eroberten Antihelden wie Django, Ringo oder Sabata die Kinoleinwand.

Das Genre sorgte außerdem dafür, dass zahlreiche Parodien auf das Genre entstanden. Einige populäre Beispiele sind Mein Name ist Nobody, Lucky Luke oder Die rechte und die linke Hand des Teufels mit Bud Spencer und Terence Hill.

Der italienische Horrorfilm: Gothic, Gore, Sex und Exploitation ca. 1960 bis 1980Bearbeiten

Der Vampir von Notre Dame war der erste italienische Horrorfilm, der nach dem zweiten Weltkrieg entstanden ist. Regie führte Riccardo Freda, allerdings versprach dem Studio, dass er den Film innerhalb von 12 Tagen fertigstellen könnte, als er merkte, dass er den Plan nicht einhalten konnte, übergab die Regie an Mario Brava.[37] Nachdem der Regisseur bereits mehrfach bei Filmen wie Der Vampir von Notre Dame eingesprungen war, erhielt er seinen ersten Regieauftrag mit Die Stunde, wenn Dracula kommt.[38] Die Stunde, wenn Dracula kommt feierte am 11. August 1960 seine italienische Premiere.[39] Als die US-amerikanischen Produzenten Samuel Z. Arkoff und James H. Nicholson von American International Pictures auf einer Italienreise den Film sahen, sicherten sie sich für 100.000 US-Dollar ($) die amerikanischen Verleihrechte, mehr als das Budget des ganzen Films betrug. Roberto Nicolosis Filmmusik wurde in den USA durch einen neuen Soundtrack von AIPs Hauskomponisten Les Baxter ersetzt. Am 15. Februar 1961 startete der Film als Black Sunday in den amerikanischen Kinos.[39] Es folgten zahlreiche Filme die unter dieser Kooperation mit American Pictures entstanden unter anderem auch den Filmklassiker Die drei Gesichter der Furcht. In den Filmen waren Gore bzw. Splatterszenen zu sehen, die im Gegensatz zu den damaligen amerikanischen Horrorfilmen sehr brutal angemutet haben. Aus diesem Grund wurden teilweise die italienischen Urfassungen der Filme verändert, wie beispielsweise bei dem bereits erwähnten Horrorfilm Die drei Gesichter der Furcht.

Daneben entstand das Genre des Naziploitationfilms, in dem die Taten der Nazis als brutale Taten der Nazis gezeigt wurden. Einige sehr populäre Filme des Genres waren Ilsa, She Wolf of the SS, SS Experiment Camp oder Gestapos letzte Orgie.[40] Ferner entstand das Genre des Frauengefängnisfilms in dem Frauen im Gefängnis präsentiert wurden, die unter psychischen Druck ausgesetzt werden. Ein bekanntes Beispiel ist der Film Das letzte Haus links von Wes Craven.[41]

Des Weiteren entstand das Nunsploitation hierbei handelt es sich um eine Mischung des Erotik- und Exploitation-Films. Der Name ist ein Kofferwort aus Nun, dem englischen Wort für Nonne und Exploitation, die Bezeichnung für ein Filmgenre mit Billigproduktion und drastischen Darstellungen. Der Begriff bezieht sich auf Exploitationfilme, die Nonnen und Klöster zum Thema haben.[42]

Mondo-Film ca. 1960 - 1970Bearbeiten

Hauptartikel: Mondo-Film

Der Mondo-Film ist eine Filmrichtung in der im pseudodokumentarischen Stil angeblich wahre Sitten und Gebräuche von Menschen aus aller Welt und scheinbar authentische Darstellungen von Sexualität und Gewalt gezeigt werden.[43]

Der Vater des Genres war Mondo Cane, ein Film in dem fiktive Rituale und Opferungszeremonien von Tieren präsentiert wurden.[44]

Besonders bekannt wurde Africo Addio auf Grund seiner besonders grausamen Szenen. Teilweise wird das Genre auch dem Kannibalenfilm zugerechnet.

Bud Spencer und Terence Hill ca. 1967 bis 1994Bearbeiten

Hauptartikel: Bud Spencer und Terence Hill

Terence Hill und Bud Spencer in einem Standbild aus dem Film Zwei wie Pech und Schwefel

Die bereits erwähnten Komiker- und Prügelfreunde Terence Hill und Bud Spencer, begannen ihre gemeinsame Karriere mit der Italowestern Gott vergibt… Django nie!. Mario Girotti wählte den Namen Terence Hill aus einer Vorschlagsliste aus, während Carlo Pedersoli eine Flasche Budweiser in der Hand hielt und ein großer Fan von Spencer Tracy war. So entstand der Name Bud Spencer.[45] War der erste noch ein ernster Film der beiden wurden die nächsten parodistischer und komodätischer.

Beispiele sind die Filme Die rechte und die linke Hand des Teufels, Freibeuter der Meere oder Zwei Missionare. In den meisten Filmen prügelten die beiden auf ihre Gegner ein und punkteten mit flotten Sprüchen. In der James-Bond-Parodie Zwei bärenstarke Typen behaupteten sie sich gegen den Erzschurke K1 der sämtliche Zahlen der Welt auslöschen möchte. Mit den Dreharbeiten für die Westernkomödie Die Troublemaker aus dem Jahr 1994 arbeiteten sie zum letzten Mal vor der Kamera zusammen.[46]

Bud Spencer konnte auch Solo mit Filmen wie Sie nannten ihn Plattfuß oder Der Sizilianer Erfolge feiern. Ebenso konnte auch Terence Hill mit Filmen wie Mein Name ist Nobody oder Der Supercop Erfolge feiern. Im Jahr 2014 versuchte Bud Spencer seinen Filmpartner Terence Hill dazu zu bringen mit ihm einen neuen Film zu drehen.[47] Dieser Film konnte nicht mit dem Tod von Bud Spencer realisiert werden.

Filmkrise zwischen Kunst und Trash ca. 1975 - 1990Bearbeiten

Hauptartikel: Filmkrise in Italien

Joe D'Amato, 1996.

Zwischen den späten siebziger Jahren und der Mitte der 80er Jahre erlebte das italienische Kino eine lange Zeit der Krise. Während dieser Krise konnte sich der "Kunstfilm" durchaus durchsetzen. Beispiele für diese künstlerisch wertvolle Zeit sind Filme wie Fellinis Stadt der Frauen von Frederico Fellini oder Der Holzschuhbaum von Ermanno Olmi. Die Filme konnte nicht nur internationale Preise wie die Goldenen Palme bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes gewinnen, sondern wurden auch vom Publikum geschätzt. Die internationale Kinoproduktion Der letzte Kaiser von Bernardo Bertolucci gewann bei der Oscarverleihung 1988 insgesamt 9 Oscars. Auch die internationale Kinoproduktion Der Name der Rose fällt in diese Zeit. Die finanziellen Mittel fehlten trotzallem an vielen Ecken und so war Frederico Fellini, der das Medium Fernsehen ablehnte im Jahr 1978 erst einmal gezwungen einen kleinen Fernsehfilm mit dem Namen Orchesterprobe drehen.[48] 1986 rechnete Fellini mit dem Medium Fernsehen in der Satire Ginger und Fred ab.[49]

Daneben entstanden aus Kostengründen zahlreiche leichte Komödien. Ein wichtiger Schauspieler für das Komödiengenre wurde der Sänger Adriano Celentano der mit zahlreichen Filmen dafür sorgte dass die Zuschauer über ihn und seine Späße lachten. Der Film Bluff mit Anthony Quinn sorgte dafür, dass er als Schauspieler populär wurde. Es folgten Filme wie Der gezähmte Widerspenstige, Asso und Gib dem Affen Zucker. Die ebenfalls erfolgreich wurden. 1985 sorgte seine Darstellung einer modernen Variante von Jesus Christus in dem Film Joan Lui dafür, dass der Film mit einem Einspielergebnis von 7,3 Milliarden Lire an den Kinokassen floppte, während seine Produktionskosten bei über 20 Milliarden Lire lagen.[50]

1975 kam die Erotikkomödie Flotte Teens und heiße Jeans in die Kinos, die mit insgesamt 5 Teilen fortgesetzt wurden. Auch sie gehörte zur Kinokultur der damaligen Zeit, da diese Filme leicht und schnell produziert werden konnten. Ebenfalls in dieses Trashfilmgenre gehört Steinzeitserie Als die Frauen noch Schwänze hatten. Joe D’Amato sorgte dafür, dass in Italien zahlreiche Trashfilme wie Ator – Herr des Feuers, Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf oder Black Emanuelle – Stunden wilder Lust produziert wurden, die alle das Bild der damaligen italienischen Kinolandschaft wiederspiegeln. Die letztgenannte Figur Black Emanuelle war eine Mockbusterfigur auf die erfolgreiche Figur von Emmanuelle.

Neben eigenen Trashfilmen gehörte auch der Mockbuster zum alltäglichen Bild des italienischen Films. Besonders bekannt hierbei wurde der Film Star Crash – Sterne im Duell der auf die Star-Wars-Filme anspielte und David Hasselhoff als Star präsentierte. Der Film erhielt mit Flucht von Galaxy III eine indirekte Fortsetzung. 1980 erhielt der erfolgreiche Alien-Film von Ridley Scott eine italienische Fortsetzung die nichts mit dem Original zu tun hat und unter dem Namen Alien 2 – Sulla terra veröffentlicht wurde.

Die aktuelle Situation des italienischen Films ca. 1990 bis heuteBearbeiten

Die italienische Filmbranche konnte eine neue Generation von Regisseuren hervorbringen, die diese Krise beendet haben. Filme wie Cinema Paradiso von Giuseppe Tornatore gehörten zu den ersten erfolgreichen Filmen der Renaissance des italienischen Kinos. Auch Filme wie Mediterraneo zeigten dass es mit dem italienischen Film bergaufgeht. In den 1990er Jahren war Italien sechsmal für den Auslandsoscar nominiert und konnte ihn 1999 zum dritten Mal in dieser Kategorie gewinnen. In diesem Jahr erhielt Roberto Benigni gleich zwei Oscars als Bester Regisseur eines fremdsprachigen Films und als Bester Hauptdarsteller in Das Leben ist schön. Insgesamt war der Film für sieben Oscars nominiert und erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen (BAFTA Award, Europäischer Filmpreis, Goya, César). Italien ist als dreizehnfacher Gewinner des Auslandsoscars erfolgreichste Nation in dieser Kategorie. Auch Italien hat einen nationalen Filmpreis, den David di Donatello.

In den 2000er Jahren konnte Filme wie Das Zimmer meines Sohnes oder Der Medici-Krieger das italienische Kino wieder erfolgreich machen. Es bleibt abzuwarten welche Entwicklungen sich im italienischen Film noch ergeben werden.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Angelini, F. Pucci Materiali per una storia del cinema delle origini (Materials for a history of early cinema) 1981. "... allo stato attuale delle ricerche, la prima proiezione nelle Marche viene ospitata al Caffè Centrale di Ancona: ottobre 1896" ("... The present state of research, the first screening will be hosted in the Marches of Ancona at the Café Central: October 1896")
  2. Who's Who of Victorian: Vittorio Calcina
  3. Rare recording from 1896: Pope Leo XIII auf Youtube abgerufen am 28.06.2014
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 714504 PS: Medienwissenschaftliches Proseminar – Italienisch: Italienische Filmgeschichte 1: Von den Anfängen bis zum Neorealismus
  5. IMDB-Eintrag von La Presa di Roma
  6. Katz, Ephraim, "Italy," The Film Encyclopedia (New York: HarperResource, 2001), S. 682-685.
  7. P. Bertetto, G. Rondolino - Cabiria e il suo tempo - Torino, Editore Museo nazionale del cinema, 1998, ISBN 8880331256.
  8. A. Bernardini - Cinema muto italiano: Industria e organizzazione dello spettacolo, 1905-1909 - Bari, Laterza, 1980.
  9. 9,0 9,1 John P. Welle: Dante, Cinema, and Television. University of Toronto Press, 2004, ISBN 0-8020-8827-9, S. 36, 38–40.
  10. Peter Bondanella: A History of Italian Cinema. Continuum International Publishing Group, New York 2009, ISBN 978-1-441-16069-0.
  11. Antonella Braida: Dante on View: The Reception of Dante in the Visual and Performing Arts. Ashgate Publishing, Aldershot, England 2007, ISBN 978-0-7546-5896-2, S. 47–49.
  12. Braida, Antonella (2007). "Dante's Inferno in the 1900s: From Drama to Film". In Braida, Antonella; Calé, Luisa. Dante on View: The Reception of Dante in the Visual and Performing Arts. Aldershot, England: Ashgate Publishing. pp. 47–49. ISBN 978-0-7546-5896-2.
  13. Looney Dennis: Dante, Cinema, and Television. University of Toronto Press, 2004, ISBN 0-8020-8601-2, S. 135–36.
  14. Judith Weisenfeld: Hollywood Be Thy Name: African American Religion in American Film, 1929-1949. University of California Press, 2007, ISBN 978-0-520-22774-3, S. 115–19, 127–28.
  15. http://www.imdb.com/title/tt0002445/
  16. 16,0 16,1 Kino kolossal – Hercules, Maciste & Co. Dokumentarfilm von Hans-Jürgen Panitz, Deutschland/Schweiz 2000, 60 Minuten
  17. Giovanni Lista, Cinéma et photographie futuristes, Skira-Flammarion Éditeur, Paris, 2008
  18. Katz, Ephraim, "Italy," The Film Encyclopedia (New York: HarperResource, 2001), pp. 682-685.
  19. Katz, Ephraim, "Italy," The Film Encyclopedia (New York: HarperResource, 2001), pp. 682-685.
  20. http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_sprach_literatur_und_kulturwissenschaften/iz/Downloadbereich/Ringvorlesungen/Heute/Stummfilm
  21. Jerzy Toeplitz: Geschichte des Films, Band 1 1895-1928. Ostberlin 1972. S. 476.
  22. Moliterno, Gino. Historical Dictionary of Italian Cinema. Scarecrow Press, 2008.
  23. Leonardo Bragaglia, Carlo Ludovico Bragaglia. I suo film, i suoi fratelli, la sua vita, 2009, Persiani Editore, ISBN 978-88-902003-9-7
  24. Leonardo Bragaglia, Carlo Ludovico Bragaglia. I suo film, i suoi fratelli, la sua vita, 2009, Persiani Editore, ISBN 978-88-902003-9-7
  25. Blasetti, Alessandro. In: Dieter Krusche: Lexikon der Kinofilme. Vom Stummfilm bis heute. Bertelsmann, Gütersloh 1977, S. 650–651.
  26. 26,0 26,1 Welt-Online vom 3. Mai 2007: Die echten Leichen des italienischen Kinos, abgefragt am 27. April 2011
  27. A documentary, “DP Camp of Cinecittà” by Marco Bertozzi, based on research by Noa Steimatsky, had its world premier on January 30, 2012, at The Italian Cultural Institute of New York, in New York City. (http://www.iicnewyork.esteri.it/IIC_NewYork/)
  28. NEOREALISMUS
  29. NEOREALISMUS
  30. Alessandro Bencivenni: Luchino Visconti, Il Castoro, Mailand 1995, S. 15
  31. Auf den Spuren von Don Camillo & Peppone
  32. Harald Steinwender: Der italienische Peplum-Zyklus der Nachkriegsära – Eine Reise in das Reich der Sandalenfilme. In: Splatting Image. Jahrgang 20, Heft 77, März 2009, S. 11–17.
  33. Jon Solomon: The ancient world in the cinema. Revised and expanded edition. Yale University Press, New Haven 2001. ISBN 0-300-08335-1 ISBN 0-300-08337-8
  34. Lexikon der Filmbegriffe: commedia all`italiana
  35. Totò in der IMDB
  36. Ulrich P. Bruckner: Für ein paar Leichen mehr. Der Italo-Western von seinen Anfängen bis heute. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2002 (Neuauflage: 2006), ISBN 3-89602-705-0.
  37. Thomas Wagner, Als die Pasta bluten lernte, in: Booklet zur DVD, S. 4/5
  38. Tim Lucas: Terror Pioneer, in: Fangoria, #42, S. 20-24.
  39. 39,0 39,1 Die Stunde, wenn Dracula kommt in der Internet Movie Database.
  40. Daniel H. Magilow: Introduction. Naziploitation! The Nazi Image in Low-Brow Cinema and Culture, in: Magilow, Daniel H. / Vander Lugt, Kristin T. / Bridges, Elizabeth: Nazisploitation! The Nazi Image in Low-Brow Cinema and Culture New York 2012, S. 2.
  41. Hein, Birgit: Frauengefängnisfilme (Orig.: Frauen und Film), in: "Spleen Magazine", Toronto.
  42. Tamao Nakahara (2004): Barred Nuns: Italian Nunsploitation Films In: Ernest Mathijs / Xavier Mendik [Hrsg.] (2004): Alternative Europe. Eurotrash and Exploitation Cinema since 1945. London, New York: Wallflower Press. ISBN 1-903364-93-0.
  43. Mondo-Filme im Filmlexikon
  44. Schockierende Dokus In krassen Bildern um die Welt
  45. Cinema: GOTT VERGIBT… DJANGO NIE!
  46. IMDB-Eintrag Die Troublemaker
  47. Bud Spencer und Terence Hill: Bald ein neuer Film?
  48. DER SPIEGEL 24/1978: Magier im geplanten Chaos - Wolfgang Limmer bei Dreharbeiten zum neuen Fellini-Film
  49. IMDB-Eintrag Ginger und Fred
  50. Roberto Chiti, Roberto Poppi, Enrico Lancia. Dizionario del cinema italiano: I film. Gremese, 2000. ISBN 8877424230.