Kolberg

Aus Film-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
OriginaltitelKolberg
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch, Französisch
Erscheinungsjahr1945
Länge111 Minuten
AltersfreigabeFSK 16 (Neufassung)
Stab
RegieVeit Harlan
DrehbuchVeit Harlan
Alfred Braun
Thea von Harbou
ProduktionWilhelm Sperber
MusikNorbert Schultze
KameraBruno Mondi
SchnittWolfgang Schleif
Besetzung

Kolberg ist ein deutscher Durchhaltefilm aus dem Jahr 1945, der anlässlich des 12. Jahrestages der nationalsozialistischen Machtergreifung am 30. Januar 1945 in Berlin und umkämpften Atlantikfestung La Rochelle uraufgeführt wurde. Regie führte Veit Harlan, der bereits zuvor bei mehreren Propagandafilmen wie Jud Süß Regie geführt hatte. Er gehörte zu den Kernbestand der Vertrauensleute des politischen Regimes.[1]

Der Film basiert auf der Autobiografie von Joachim Nettelbeck und dem Schauspiel Kolberg von Paul Heyse.

Handlung[Bearbeiten]

Heinrich George übernahm die Rolle von Joachim Nettelbeck

Der Film beginnt im Jahr 1813, hierbei versucht das preußische Volk ihren König Friedrich Wilhelm III. zur Unterschrift auf einer Kriegserklärung gegen Napoleon zu bewegen. Allerdings hat dieser seine Bedenken, da ein Krieg immer unfassbares Leid mit sich bringt. Daraufhin berichtet ihm Generalmajor Gneisenau von der Belagerung von Kolberg, bei der er sich einen großen Namen machen konnte im Jahr 1807.

Er setzt mit seiner Erzählung im Jahr 1806 an. In diesem Jahr erklärt Kaiser Franz II. seinen Rücktritt nach den Ereignissen des Wiener Kongresses. Somit fällt auch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation in sich zusammen. Das führt dazu, dass der französische Kaiser Napoleon einen Großteil der deutschen Gebiete übernehmen kann und in Berlin einmarschiert. Der preußische König muss daraufhin nach Königsberg fliehen.

Napolon bietet daraufhin jeder Stadt die Möglichkeit sich kampflos zu ergeben und das Leben unter der französischen Krone weiterzuführen. Joachim Nettelbeck der couragierte Bürgerrepräsentant der Stadt Kolberg, denkt gar nicht daran kampflos die Stadt zu übergeben und versucht den Ortskommandanten Loucadou dazu zu bringen nicht zu kapitulieren, er hat sich allerdings entschieden das Militär der Stadt verkommen zu lassen. Er duldet ferner keine Einmischung der Bürger der Stadt. Nettelbeck organisiert trotzdem viele Dinge, um sich auf einen Krieg vorzubereiten. Zu seinem Glück erscheint Rittmeister Schill, der sich beim Bauer Werner und dessen Familie einquartiert, nach Friedrich Werner seinen Vater darum gebeten hat.

Schill verliebt sich in Maria die Tochter des Bauerns, während er nach einigen Männern für seine Miliz sucht. Schill findet die hiesige Armee in einem schlechten Zustand vor, da sogar die Kanonen eingerostet sind. Aus diesem Grund organisiert er mit Privatvermögen einige neue Kanonen. Später erscheint ein französischer Bote in Kolberg und versucht ihre Kapitulation zu erwirken, Nettelbeck jagt ihn davon und schlägt das Angebot des Friedens aus.

Napoleon ist darüber so sehr verärgert, dass er Kolberg den Krieg erklärt, er schickt viele Truppen nach Kolberg, die bisher nichts zu tun hatten und verspricht demjenigen, der Kolberg in die Knie zwingt, den Herzogstitel. Schill führt einige erfolgreiche Schachzüge gegen die Franzosen, er kann allerdings nicht verhindern, dass die Franzosen den Hof von Bauer Werner einnehmen und den träumerischen Claus den zweiten Bruder von Maria dazu zu bringen mit den Franzosen am Tisch zu sitzen. Schill bittet den Bauern darum, den Hof zu niederzubrennen, da er ein leichtes Ziel für die Franzosen ist. Bauer Werner kommt in den Flammen des Hauses um. Kurz darauf wird Nettelbeck von Loucadou verhaftet und zum Tode verurteilt, da er sich wiederholt gegen ihn gestellt hat. Nettelbeck beauftragt Maria damit nach Königsberg zu gehen und dort um einen neuen Kommandanten zu bitten.

Maria trifft auf Königin Luise, die dafür sorgt, dass ein neuer Kommandant in die Stadt kommt. Maria könnte in Königsberg bleiben, allerdings entschließt sie sich dazu nach Hause zurückzukehren. Dort wird Nettelbeck begnadigt, allerdings liegt die Stadt im Krieg und leidet. Die Franzosen werden trotzdem von dem Widerstand kräftig geschüttelt. Rittmeister Schill beschließt nach Schweden zu gehen um weitere Waffen und Unterstützung zu erhalten. Er soll niemals zurückkehren.

Währenddessen übernimmt der neue Kommandant Gneisenau die Leitung der Armee und versucht eine Freundschaft mit Nettelbeck aufzubauen. Er schätzt ihn und beschließt zusammen mit ihm die weiteren Schritte. Unter anderem wird ein Teil des Dorfes geflutet, damit die Franzosen von der Südseite einen schweren Zugang zur Stadt haben. Bei diesem Unterfangen wird Claus getötet, da er seine Geige unbedingt retten wollte. Nach einiger Zeit stirbt auch Friedrich und Nettelbeck bietet Maria an, ihr als Vater und Bruder zu dienen.

Nach einiger Zeit, steht es um die Stadt so schlecht, dass Gneisenau an Kapitulation denkt und Nettelbeck dazu bringen möchte diese einzugestehen. Aber das möchte beide eigentlich nicht und er bittet ihm den Kampf fortzusetzen. Nach einiger Zeit hat Napoleon kein Interesse an einer Fortsetzung der Kampfhandlungen, da die Franzosen hohe Verluste erlitten haben. Die Stadt Kolberg kann schließlich einen großen Sieg feiern und Maria bleibt alleine am Strand zurück. Nettelbeck versucht sie zu trösten in dem er den gemeinsamen Sieg hervorhebt.

Nach diesem Bericht entscheidet sich König Friedrich Wilhelm III. dafür den Aufruf An Mein Volk zu verfassen und zum Krieg gegen Napoleon aufzurufen.

Im Vorfeld der Produktion[Bearbeiten]

Joseph Goebbels hatte an den Film große Erwartungen

Joseph Goebbels der NS-Propagandaminister beauftragte Regisseur Veit Harlan bereits am 1. Juni 1943 damit diesen Film zu drehen, da Deutschland mehrere Schlachten verloren hatte. Der Befehl hierzu laut wie folgt:

„Hiermit beauftrage ich Sie, einen Großfilm ‹Kolberg› herzustellen. Aufgabe dieses Films soll es sein, am Beispiel der Stadt, die dem Film den Titel gibt, zu zeigen, daß ein in Heimat und Front geeintes Volk jeden Gegner überwindet. Ich ermächtige Sie, alle Dienststellen von Wehrmacht, Staat und Partei, soweit erforderlich, um ihre Hilfe und Unterstützung zu bitten und sich dabei darauf zu berufen, daß der hiermit von mir angeordnete Film im Dienste unserer geistigen Kriegführung steht.[2]

Der Befehl für den Beginn Dreharbeiten wurde allerdings erst am 5. Oktober 1943 erteilt.[3] Um die Werbetrommel für den Film im Vorfeld zu rühren gab Veith Harlan folgendes Statement ab:

„Ich will dem Publikum von heute das Heldentum seiner Vorfahren vor Augen führen, will ihm sagen: Aus diesem Kern seid Ihr geboren, und mit dieser Kraft, die Ihr von Euren Ahnen ererbt habt, werdet Ihr auch heute den Sieg erringen. […] Das Volk soll die Kraft bekommen, es seinen Vätern gleichzutun. Und so wird denn dieser Film zwar auch ein Denkmal für Gneisenau und Nettelbeck sein und ein Denkmal für die Bürger von Kolberg, doch vor allem soll er ein Denkmal dafür werden, wie die Deutschen heute sind.[4]

Die Produktion[Bearbeiten]

Der Agfacolor-Film verschlang ein gewaltiges Budget von 8,8 Millionen Reichsmark und ist damit der teuerste Film in der Zeit des Nationalsozialismus.[5]

Veith Harlan erhielt jede denkbare Unterstützung für die Produktion des Films. Insgesamt wurden 187.000 Soldaten und 6.000 Pferde aus dem aktiven Kriegsdienst abgezogen, um die Kriegsszenen zu drehen.[6] Zahlreiche Tonnen Holz wurden verbaut und mehrere Güterzüge mit Salz wurden für die Darstellung einer Winterlandschaft benötigt.[7] Die Statisten des Films erhielten für ihre Arbeit kein Geld, sondern nur eine Ansprache von Vaith Harlan.[8] Die Szene, in der die Massen zu Beginn des Films aufmarschieren, entstand in Neumünster, unter den Statisten befindet sich auch Norbert Schultze der Komponist des Films.[9]

Joseph Goebbels wollte ein Kolossalgemälde der Filmgeschichte anfertigen lassen, die sogar Hollywoodproduktionen in den Schatten stellt.[10] Die aufwendige Filmproduktion wurde geheimgehalten.[11] Die Produktion wurde allerdings durch die Kriegsbedingungen stark belastet, was diesen Aufwand sehr erschwerte. Das erklärt auch warum viele Schauspieler in einigen Szenen gestresst wirken.

Kürzungen[Bearbeiten]

Joseph Goebbels war mit der endgültigen Fassung des Films nicht zufrieden. Ihm waren viele Kriegsszenen zu naturalistisch, zu verwirrend und zu brutal aus diesem Grund wurde der Film in diesen vielen Szenen geschnitten.[12] Er schrie dem Regisseur in einem Tobsuchtsanfall entgegen, dass dieser Film ein pazifistischer Film wäre und das Pazifisten von denen regiert werden würden, die keine sind.[13]

Beispiele für solche Kürzungen sind folgende:

  • eine Garante, die auf ein Haus fällt, in dem kurz zuvor ein Kind geboren wurde
  • Türen, die ausgerissen wurden, weil Holz für Särge fehlt
  • vergiftetes Wasser durch die Leichen.[14]

Insgesamt sollen 2 Millionen Reichsmark aus dem Film gekürzt worden sein.[15] Der Film wurde Weihnachten 1944 umgeschnitten, nach den Vorgaben des Propagandaministers, vor allem die Figur von Claus Werner gespielt von Kurt Meisel wurde größtenteils herausgeschnitten.[16] Der Schauspieler Kurt Meisel hatte, wie er in einem Interview aus dem Jahr 1992 sagte, selbst darauf bestanden eine Rolle spielen zu dürfen, die gegen die Schlacht ist.[17]

Während der Kürzungsarbeiten wurde ein weiterer Durchhaltefilm mit dem Titel das Das Leben geht weiter gedreht, der im Berlin während der Luftangriffe spielt und ebensfalls zum Durchhalten animieren sollte. Allerdings blieb der Film unvollendet.[18]

Aufführungen[Bearbeiten]

Hauptbauwerk der U-Boot-Basis in La Rochelle-La Palice einen Teil der Atlantikfestung

Seine Weltpremiere erlebte der am direkten Kriegsschauplatz an der umkämpften Atlantikfestung La Rochelle und in Berlin. Um den Film den deutschen Soldaten zukommen zu lassen, wurde dorthin ein Flugzeug geschickt, dass einen Fallschirm mit dem Film über der Festung abwarf.[19] Dem damaligen Festungskommandanten Vizeadmiral Ernst Schirlitz übermittelte Joseph Goebbels einen Funkspruch mit folgenden Worten:

„Möge der Film Ihnen und Ihren tapferen Soldaten, als ein Dokument der unerschütterlichen Standhaftigkeit des Volkes erscheinen, dass in diesen Tagen einsgeworden mit der kämpfenden Front gewillt ist, es den großen Vorbildern seiner ruhmvollen Geschichte gleichzutun.“[20]

Ernst Schirlitz zeigte sich von dem Film tief beeindruckt und versprach es diesen Helden gleichzutun.[21] In Berlin feierte der Film seine Premiere im Tauentzienpalast. Später wurde der Film in Königsberg, Breslau, Danzig und anderen Großstädten und in den Jugendfilmstunden der Hitlerjugend und den Rekruten der Wehrmacht und der Waffen-SS gezeigt. Eine aufrüttelnde Wirkung hatte der Film allerdings nicht.[22] In Berlin lief der Film wie auch Münchhausen bis in den April hinein in zwei Großkinos mit über 2000 Plätzen, wurde aber immer weniger besucht. Im März 1945 kamen am 31. Spieltag in den 1053 Plätze fassenden Berliner Tauentzien-Palast zur Vormittagsvorstellung nur 91 Besucher und am Nachmittag nur 204, während jede Vorstellung von Münchhausen ausverkauft war.[23]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Kolberg war der letzte Film, der mit dem Prädikat „Film der Nation“, der höchsten Auszeichnung für Filme im nationalsozialistischen Deutschland, ausgezeichnet wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Der Film wurde nach 1945 in allen vier deutschen Besatzungszonen verboten und später zum Vorbehaltsfilm erklärt. Dennoch wurde der Film 1965 in einer anderen Schnittfassung neu in die unter dem Titel Kolberg – Der 30. Januar 1945 mit Zwischenmeldungen über die Propaganda in die Kinos gebracht.

Am 22. März 1998 wurde der Film auf ARTE in seiner ursprünglichen Fassung mit begleitenden Material erstmals im Fernsehen im Rahmen eines Themenabends zu Heinrich George ausgestrahlt.[24]

Kolberg kann nur mit Zustimmung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung gezeigt werden. Die Stiftung stellt für die Interessenten „Arbeitsmaterialien“ zur Verfügung, die sich auf das Begleitmaterial von 1965 stützen. Im Text wird die unwahre Behauptung vom „anschließenden Einzug der Franzosen“ in Kolberg nach dem Ende der Belagerung wiederholt.[25]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Heyse: Kolberg. Historisches Schauspiel in 5 Akten. 446.–450. Tausend. Cotta, Stuttgart 1935.
  • ATLAS-Filmhefte. Doppelheft 61, 1965
  • Bogusław Drewniak: Der deutsche Film 1938–1945. Ein Gesamtüberblick. Droste, Düsseldorf 1987, ISBN 3-7700-0731-X, S. 196.
  • Klaus Kreimeier: Die Ufa-Story. Geschichte eines Filmkonzerns. = Ufa. Hanser, München u. a. 1992, ISBN 3-446-15214-8.
  • Frank Noack: Veit Harlan – „Des Teufels Regisseur“. Belville, München 2000, ISBN 3-923646-85-2.
  • Rolf Giesen, Manfred Hobsch: Hitlerjunge Quex, Jud Süß und Kolberg. Die Propagandafilme des Dritten Reiches. Dokumente und Materialien zum NS-Film. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2005, ISBN 3-89602-471-X.
  • Günter Brittinger: Ferdinand von Schill in der Zeit des Nationalsozialismus. In: Veit Veltzke (Hrsg.): Für die Freiheit – gegen Napoleon. Ferdinand von Schill, Preußen und die deutsche Nation. Böhlau, Köln u. a. 2009, ISBN 978-3-412-20340-5, S.305–339, bes. 309–322 (mit zahlreichen Abb.).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christof Schalhorn (1994/95): Veit Harlans Kolberg als Durchhalte-Film S.7
  2. Zitiert nach Erwin Leiser: „Deutschland, erwache!“ Propaganda im Film des Dritten Reiches. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 104f.
  3. Christof Schalhorn (1994/95): Veit Harlans Kolberg als Durchhalte-Film S.9
  4. Ufa-Mag., S. 8. Wittel, S. 163, zitiert aus einem Interview aus dem "Berliner Lokalanzeiger" vom 24.3.1944
  5. Filmhistoriker Gert Koshofer in der Dokumentation Münchhausen – Ein Mythos in Agfacolor, enthalten auf der DVD Münchhausen. Transit Classics – Deluxe Edition
  6. Christof Schalhorn (1994/95): Veit Harlans Kolberg als Durchhalte-Film S. 12
  7. Christof Schalhorn (1994/95): Veit Harlans Kolberg als Durchhalte-Film S. 12
  8. Youtube: Über den Film Kolberg von 1945
  9. Youtube: Über den Film Kolberg von 1945
  10. Christof Schalhorn (1994/95): Veit Harlans Kolberg als Durchhalte-Film S. 12
  11. Christof Schalhorn (1994/95): Veit Harlans Kolberg als Durchhalte-Film S. 12
  12. Youtube: Über den Film Kolberg von 1945
  13. Youtube: Über den Film Kolberg von 1945
  14. Veith Harlans eigene Aussage aus dem Jahr 1963 in einem Interview
  15. Veith Harlan eigene Aussage aus dem Jahr 1963 in einem Interview
  16. Youtube: Über den Film Kolberg von 1945
  17. Kurt Meisels eigene Aussage aus dem Jahr 1992 in einem Interview
  18. Youtube: Über den Film Kolberg von 1945
  19. Youtube: Über den Film Kolberg von 1945
  20. Youtube: Über den Film Kolberg von 1945
  21. Youtube: Über den Film Kolberg von 1945
  22. Christof Schalhorn (1994/95): Veit Harlans Kolberg als Durchhalte-Film S.4
  23. Drewniak (siehe Literaturliste), S. 196
  24. http://www.norbert-weise.de/kolberg.htm
  25. Beitrag von Gehard Schoenberner, S. 122 in: Friedemann Beyer (Hrsg.): Arbeitsmaterialien zum Nationalsozialistischen Propagandafilm: Kolberg, Zusammenstellung und Text Dr. Gerd Albrecht, Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden 2006 (Compactdisc)