Sandmännchen

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Sandmännchen-Figur in Erfurt

Der Sandmann und das Sandmännchen sind Stop-Motion-animierte Trickfilm-Puppen, die in abendlichen Fernsehsendungen der Regionalprogramme der ARD und im Fernsehen der DDR gezeigt wurden. Beide zeigten zwischen Vor- und Abspann einen kindgerechten Kurzfilm. Das Sehen dieser Sendung war und ist in vielen deutschsprachigen Haushalten ein Ritual vor dem Zubettgehen.

In beiden Versionen des Sandmännchen galt die Figur als Geschichtenerzähler der in einer Rahmenhandlung den Kindern eine Gutenachtgeschichte erzählte.

Anfänge des Sandmännchen[Bearbeiten]

Die Idee für das Sandmännchen wurde von Dr. Ilse Obrig erfunden. Ursprünglich wurde geplant das Sandmännchen als Zeichentrickfigur zu animieren, allerdings wäre die Produktion hierfür zu teuer geworden und somit wurde eine Handpuppe von der Puppengestalterin Johanna Schüppel entwickelt, die deren Figur zum Leben erweckt.[1] Als Inspirirationsquelle hierfür gilt die DFF-Sendung Abendgruß.[2] Sie entwickelte zusammen mit dem westdeutschen Sender Freies Berlin das Konzept für die Sendung Sandmännchens Gruß für die Kinder, dass seine Premiere am 01. Dezember 1959 erleben sollte.[3]

Der DFF erfuhr von diesem Konzept und beauftragte Gerhard Behrendt im Vorfeld dieser Premiere damit die DDR-Version des Sandmännchens anzufertigen. Die Premiere der DDR-Version wurde unter dem Titel Unser Sandmännchen zwei Wochen vor der Premiere im SFB veröffentlicht.[4]

West-Sandmännchen[Bearbeiten]

Der westliche Sandmann in einer Ausstellung im Museum für Kommunikation Frankfurt

Hauptartikel: Sandmännchen im Westen

In Westdeutschland wurden die ersten Folgen vom SFB produziert, wobei eine Handpuppe die Hauptrolle übernahm. Die erste Folge sollte auf die Vorweihnachtszeit einstimmen.[5]

Ab 1962 wechselte das Sandmännchen die Sendeanstalt und wechselte zum WDR.[6] Dieser Wechsel wurde dadurch markiert, dass eine neue Figur von Herbert K. Schulz entworfen wurde.[7]

Seine Figur glich der eines Greisen mit Kinnbart, der auf einer Wolke sein Zuhause hatte. Seine Geschichten kündigte er immer mit den Worten an:

„Nun liebe Kinder, gebt fein acht, ich hab’ euch etwas mitgebracht.“

Die Sendung endete immer mit folgendem Satz und einem Kinderlied das von Kurt Drabek und Helga Mauersberger komponiert wurde:

„Auf Wiederseh’n. Und schlaft recht schön.“

Die Figur des Sandmännchen war im Westen nicht ganz so beliebt, aus diesem Grund versuchte der WDR vom DFF eine Lizenz für die Figur der DDR zu erhalten, allerdings wurden sämtliche Angebote abgelehnt.[8] Später in 1980er Jahren sind einige andere Sandmännchen-Figuren entstanden, die etwas moderner und hipper wirken sollten.[9]

Viele Geschichten des westlichen Sandmännchen wurden von der Augsburger Puppenkiste produziert. Einige Geschichten stammten aus den Serien:

Im Februar 1973 folgte die erste Folge der populären Reihe Piggeldy und Frederick. In dieser Serie fragte das Schweinchen Piggeldy seinen großen Bruder immer wieder neue Fragen auf die Frederick Antworten finden muss.[10]

Die 1980er Jahre sorgten dafür das Kindersendungen für die ARD uninteressanter wurden und die Sendung in die Regionalprogramme verschoben wurden. Später wurde sie fast unbemerkt abgesetzt und nach dem Mauerfall durch die DDR-Figur ersetzt.[11][12]

Ost-Sandmännchen[Bearbeiten]

Gerhard Behrendt mit der Sandmännchenpuppe des DFF, 1979

Hauptartikel: Sandmännchen im Osten

Die erste Sandmännchen Geschichte war am 19.05.1956 im Radio zu hören.[13] Als der SFB die Produktion des Sandmännchens ankündigte, beauftragte Walter Heynowski der damalige Fernsehchef des DFF den Künstler Gerhard Behrendt damit eine eigene Puppe anzufertigen.[14] Daneben sollte Wolfgang Richter ein eigenes Lied für die Sendung komponieren.[15]

Die erste Folge der DFF-Sendung von Unser Sandmännchen wurde innerhalb von zwei Wochen produziert.[16] Die erste Folge wurde am 22. November 1959 ausgestrahlt, in dieser Folge zeigte sich ein müdes Sandmännchen dem Publikum, dass im Schnee einschlief.[17] Diese Folge hatte zur Reaktion, dass viele Kinder in Briefen bekundeten dass sie dem Sandmännchen ihr Bett anbieten würden.[18]

Für die DDR-Version stand die Märchenfigur des Sandmanns von Hans Christian Andersen Pate.[19] Der DFF konnte die Sendung international verkaufen unter anderem nach Finnland, Dänemark und Schweden.[20] Die Sendung wurde auch zum Austausch mit anderen Programminhalten von arabischen Sendeanstalten angeboten.[21] Der Vietnam erhielt die Rechte an der Sendung als "Solidaritätsgeschenk".[22]

In allen Geschichten des Ost-Sandmännchens kommt ein bildgebendes Gerät oder ähnliches vor, auf das am Ende der Begrüßung des Sandmännchens herangezoomt wird, womit die tägliche Gutenachtgeschichte beginnt. Früher (bis einige Jahre nach der Deutschen Einheit) erschien zu Beginn der Geschichte in Schulausgangsschrift das Wort Abendgruß auf dem Bildschirm. Am Ende einer jeden Folge streute der Sandmann den Kindern noch eine große Handvoll Schlafsand in die Augen und winkte zum Abschied.

Im Sommer 1960 wurde die Figur von Gerhard Behrendt leicht umgestaltet und verändert, dabei erhielt sie ihre heutige Gestalt. Seit 1964 wird das Sandmännchen in Farbe produziert.[23]

Das Sandmännchen im Berliner Palast der Republik

Die Figur erlebte viele Alltags- oder Märchenszenen. Daneben wurde die politische Ideologie der DDR in die Abenteuer des Sandmännchens miteingebracht. Unter anderem war das Sandmännchen zusammen mit dem Lunochod auf den Mond oder er besuchte Pionierlager. Seinen 25. Geburtstag feierte das Sandmännchen im nachgebildeten Berliner Palast der Republik.

Unter den Geschichten die das Sandmännchen präsentierte befanden sich unter anderem auch die Kultfiguren Pittiplatsch und Schnatterinchen, Herr Fuchs und Frau Elster, Flax und Krümel, Kasperle und Gretel und Frau Puppendoktor Pille. Die im Sandmännchen präsentierte Abenteuerreihe In 80 Tagen um die Welt wurde später zu einem Film zusammengeschnitten.

Die Figur des Sandmännchen begleitete Sigmund Jähn beim Flug ins Weltall. Des Weiteren verfasste Rudi Strahl das Kinderbuch Sandmännchen auf der Leuchtturminsel.

Nach der Wende[Bearbeiten]

Nach der Wende im Jahr 1990 sollte der Fernsehsender DFF langsam aber sicher stillgelegt werden, was auch ein Ende des Sandmännchen der DDR bedeutet hätte, allerdings sorgten viele Protestbriefe dafür das die Sendung Unser Sandmännchen bis heute produziert wird.[24] Das Westdeutsche Sandmännchen verschwand somit komplett von der Bildfläche, da es bereits vor der Wende Überlegungen gab diese Sendung aufzugeben.

Die Sendung wird nach der Wende von der Sandmann Studio Trickfilm GmbH produziert. Die ersten Jahre wurde die Sendung in den alten Studios in Berlin-Mahlsdorf produziert, später dann in Adlershof und schließlich in den Filmpark Babelsberg.

Die Figur absolvierte 2003 unter anderem zusammen Sigmund Jähn einen Gastauftritt in dem Film Good Bye, Lenin! und erhielt im Jahr 2010 seinen ersten eigenen Kinofilm mit Das Sandmännchen – Abenteuer im Traumland.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.fernsehmuseum-hamburg.de/sandmnchenost-west.html
  2. http://www.fernsehmuseum-hamburg.de/sandmnchenost-west.html
  3. http://www.fernsehmuseum-hamburg.de/sandmnchenost-west.html
  4. http://www.fernsehmuseum-hamburg.de/sandmnchenost-west.html
  5. http://www.fernsehlexikon.de/7265/das-sandmaennchen/
  6. http://www.fernsehlexikon.de/7265/das-sandmaennchen/
  7. http://www.fernsehlexikon.de/7265/das-sandmaennchen/
  8. http://www.fernsehlexikon.de/7265/das-sandmaennchen/
  9. http://www.fernsehlexikon.de/7265/das-sandmaennchen/
  10. http://www.sandmaennchen.de/freunde/beitraege/piggeldy_und_frederick.html
  11. http://www.tagesspiegel.de/kultur/ausstellungen-alt/ausstellung-ost-und-west-sandmaennchen-zusammen-im-museum/1387292.html
  12. http://www.fernsehlexikon.de/7265/das-sandmaennchen/
  13. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html
  14. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html
  15. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html
  16. http://www.fernsehmuseum-hamburg.de/sandmnchenost-west.html
  17. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html
  18. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html
  19. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html
  20. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html
  21. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html
  22. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html
  23. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html
  24. http://www.sandmaennchen.de/seit_1959/fakten/beitraege/geburtsstunde.html