Sherlock Holmes (1916)

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Filmdaten
Originaltitel Sherlock Holmes
Sherlock Holmes 1916 2.jpg
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1916
Länge 116 Minuten
Stab
Regie Arthur Berthelet
William Postance (assistant director)
Drehbuch Arthur Conan Doyle (Charaktere)
William Gillette (Bühnenstück)
H. S. Sheldon (Drehbuch)
Produktion Essanay Studios
Besetzung

Sherlock Holmes ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm des Jahres 1916, der als Stummfilm unter der Regie von Arthur Berthelet und William Postance entstand. Er basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück des Jahres 1899 und das vom Hauptdarsteller William Gillette geschrieben wurde.

Handlung[Bearbeiten]

Ein Werbefoto mit den Hauptdarstellern

Der Film beginnt damit das Alice Faulkner von ihrer verstorbenen Schwester einige Briefe geerbt hat, die Baron von Stalburg in einen Skandal verwickeln würden. Dieser hatte sich einst in deren Schwester verliebt und dieser einige romantische Liebesbriefe geschrieben, die jetzt drohen, dessen Krönung zu gefährden. Alice lehnt lautstark und vehement die Bitte des Barons ab, ihm die Briefe zu überlassen; allerdings wird das Streitgespräch zwischen ihnen von den Hotelnachbarn James und Madge Larrabee mit angehört. Beide beschließen, Alice Faulkner zu sich einzuladen und zu umgarnen. Deise kommt der Einladung auch nach und wird nach kurzer Zeit vom Gast zur Gefangenen.

Infolge dessen engagiert Baron von Stalburg den überaus bekannten Detektiv Sherlock Holmes mit der Suche nach ihr. Dieser schmuggelt einen seiner zuverlässigen Spione, Benjamin Forman, in die Belegschaft der Larrabees ein. Dieser dient nun als Diener und beliefert seinen Auftraggeber Holmes mit den nötigen Informationen, die Holmes braucht, um Alice zu befreien. Doch seiner Aufgabe widersprechend, Alice zu befreien, verliebt sich Holmes in diese. Die Larrabees indessen gedenken, sich an Holmes und dessen Auftraggeber zu rechen und suchen diesbezüglich dessen erklärten Erzfeind Professor Moriarty auf, der ihnen rät, den Spitzel zu töten und Holmes einen von ihm verfassten Brief zukommen zu lassen.

Die Larrabees entlassen Benjamin Forman, wie von Moriarty vorgeschlagen, doch der Versuch, diesen zu töten, misslingt ihnen. So übersenden sie ihm ein Schreiben, in dem sie verlangen, dass Forman ihnen 5000 Pfund zu überlassen, die er ihnen in einem verlassenen Gebäude übergeben soll – sie hätten angeblich die Briefe, die Holmes Auftraggeber belasten würden. Moriarty dagegen stattet seinem Erzfeind Holmes einen Besuch ab, bei dem er diesem offiziell den Frieden anbietet. Doch Holmes lehnt dieses wenig schmeichelhafte Angebot ab, nichts ahnend, dass er bereits in eine Falle Moriartys getappt ist.

Nachdem Holmes sein Gegenüber durchschaut hat, bricht er auf und es gelingt ihm, mit Hilfe einiger anderer aus der ihm gestellten Falle zu entkommen und die Gauner bis auf Moriarty und Madge Larrabee verhaften zu lassen, denen es gelingt, vor dem polizeilichen Zugriff zu entfliehen. Beide beschließen, Holmes in der Praxis von dessen engsten Vertrauten, Dr. Watson, zu erledigen. Doch Holmes gelingt es dort, Moriarty zu überwätigen und der Polizei zu übergeben. Um an die Briefe zu gelangen, beschließt Holmes, diese Alice mit einem Trick abzuluchsen: Er übergibt dem Baron Fälschungen, in denen dieser übelst beschimpft und verunglimpft wird. Als Alice Faulkner davon erfährt, übergibt sie freiwillig die Originale und diskutiert die ganze Nacht über die Angelegenheit mit Holmes.

Hintergrundinformationen[Bearbeiten]

Werbeanzeige für den Film

Das ursprüngliche Theaterstück von William Gillette basierte lose auf den Sherlock-Holmes-Abenteuern Ein Skandal in Böhmen, Eine Studie in Scharlachrot und Das letzte Problem ,die von Arthur Conan Doyle verfasst wurden.[1] Das Stück selbst feierte am 23. Oktober 1899 seine Premiere im Star Theatre, Buffalo (New York).[2] 1901 war das Stück im London's Lyceum Theatre zu sehen, hier übernahm der damals 13-jährige Charlie Chaplin Billys Rolle.[3]

Bevor der siebenteilige Film zu je vier Akten in die Kinos kam, hatte Hauptdarsteller William Gillette die Rolle von Sherlock Holmes auf der Bühne über 1300 Mal gespielt.[4] So übertrug dieser auch die Bühenfigur auf den Film und stellte Holmes als Pfeife rauchenden Detektiv dar, der eine Deerstalker-Mütze trug. In den Büchern von Conan Doyle ist Holmes jedoch Nichtraucher und die Deerstalker-Mütze ist dort auch nicht nachweisbar.[5] Alle Drehbuch-Autoren späterer Sherlock-Holmes-Filmen orientierten sich mit ihrer Figur an diesem Film, mit dem ein für die Filmfigur ein klischeehaftes Aussehen geschaffen wurde.

Der Film wurde 1916 zuerst in Amerika auf sieben Filmdosen veröffentlicht. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er auch in Westeuropa präsentiert. In Frankreich wurde eine längere Filmfassung präsentiert, hierbei wurde der Film dort als Serial vermarktet.

Der Film galt für viele Jahrzehnte als verschollenen. Erst am 1. Oktober 2014 wurde auf dem San Francisco Silent Film Festival (SFSFF) und auf der Cinémathèque Française bekannt gegeben, dass eine Kopie des Film in der Sammlung der Cinémathèque von Paris aufgefunden wurde. Daraufhin wurde dieser von der SFSFF und der Cinémathèque Française aufwändig restauriert. Verantwortlich hierfür war Robert Byrne. Der Film feierte seine Wiederentdeckungspremiere im Januar 2015 in Frankreich.[6]

Die französische Kopie des Film befand sich auf einem Nitrate Film Negatives und besaß französischsprachige Zwischentitel, die von Daniel Gallagher anhand des Originalstücks von William Gillette übersetzt wurden.[1] Der Grund dafür das dieser Film als verschollen galt war die falsche Betitelung des Films im Archiv der Cinémathèque.[7]

Über den Film und dessen Wiederentdeckung sagte Robert Byrne:

„It’s an amazing privilege to work with these reels that have been lost for generations. William Gillette’s ‘Sherlock Holmes’ has ranked among the holy grails of lost film and my first glimpse of the footage confirms Gillette’s magnetism. Audiences are going to be blown away when they see the real Sherlock Holmes on screen for the first time.“

Es ist ein aufregendes Privileg an diesen Filmrollen zu arbeiten, die für Generationen als verloren galten. William Gillette’s ‘Sherlock Holmes’ galt als "Heiliger Gral" des verschollenen Films und mein erster Blick auf das Filmmaterial bestätigt Gillette Magnetismus. Die Zuschauer werden von dem ersten echten Sherlock Holmes auf der Leinwand weggeblasen werden.[8]

Trotzallem war dieser Film nur einer von vielen Filmen um Sherlock Holmes in der Hauptrolle, die aus den Anfängen der Filmgeschichte stammen. Denn bereits 1899 gab es nämlich mit Sherlock Holmes Baffled den ersten bekannten Film mit dieser Figur, der jedoch wenig mit der eigentlichen Figur von Sherlock Holmes zu tun hat.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 'Holy grail' of Sherlock Holmes films discovered at Cinémathèque Française. In: The Guardian, October 2, 2014. Abgerufen am October 3, 2014. 
  2. Amnon Kabatchnik: Sherlock Holmes on the Stage: A Chronological Encyclopedia of Plays. Scarecrow Press, Lanham, Maryland 2008, ISBN 9781461707226, S. 15–16.
  3. Vincent Starrett: The Private Life of Sherlock Holmes. Otto Penzler Books, 1993, ISBN 1-883402-05-0, S. 142.
  4. Allen Eyles: Sherlock Holmes: A Centenary Celebration. Harper & Row, 1986, ISBN 0-06-015620-1, S. 57.
  5. What kinds of pipes did Sherlock Holmes smoke according to Sir Arthur Conan Doyle's writings?. In: Quora. Abgerufen am November 17, 2015.
  6. Michael Phillips: Lost Sherlock Holmes Film Shot in Chicago from 1916 Found in France. In: Chicago Tribune, May 21, 2015. Abgerufen am May 24, 2015. 
  7. Sherlock Holmes silent classic uncovered in Paris vault. In: BBC News. Abgerufen am October 3, 2014.
  8. Variety: Lost ‘Sherlock Holmes’ Film Discovered After Almost a Century